Berufseinstieg als Trainee?

3. März 2016  |  Autor: (30 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Studium & Karriere
Schlagwörter: , , , , ,

Die Bachelor-Studentin Delara Ansari Jam hat sich intensiver als die meisten ihrer Kommillitionen mit dem Arbeitsmarkt für Oecotrophologen, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler auseinandergesetzt. Denn als studentische Mitarbeiterin hat sie den Stellen-Service des VDOE betreut. Im Rahmen ihrer Job-Recherchen stellte sie fest: Stellenausschreibungen für Berufseinsteiger gibt es zwar, häufig setzen Arbeitgeber aber mindestens ein bis zwei Jahre Berufserfahrung voraus. Eine Alternative ist der Einstieg als Trainee. Die Studentin der Uni Bonn wollte daher wissen, ob Traineeprogramme sinnvoll sind und hat sich direkt bei Unternehmen und ehemaligen Auszubildenden informiert:

„Wir bereiten Trainees optimal auf die Folgeposition vor. Sie lernen alle relevanten Prozesse und Abläufe kennen und können sich ein Netzwerk im Unternehmen aufbauen. Außerdem geben wir regelmäßig Feedback und bieten unseren Trainees Weiterbildungsmaßnahmen an, damit sie sich weiterentwickeln können“, so Michaela Stumpe, Personalreferentin Personalentwicklung vom Süßwarenhersteller HARIBO.

Das klingt gut und spricht für die Ausbildung. Aber auch ein Direkteinstieg mit mehr Verantwortung, höherem Gehalt und u.U. weniger Konkurrenz kann verlockend sein. Oliver Reich von der Westfleisch SCE mbH hat nichts dagegen, wenn entsprechende Erfahrungen im Branchenumfeld vorliegen und die Persönlichkeit des Bewerbers dies zulässt. „Andererseits hat ein Traineeprogramm Vorteile für beide Seiten. Man kann sich gegenseitig unbefangener kennenlernen und die Trainees stehen nicht sofort in operativer Verantwortung“, erklärt der Personalleiter.

Für Candy Sierks wäre ein Direkteinstieg rückblickend nicht denkbar gewesen. „Das bedeutet viel Druck von Anfang an. Es wird erwartet, dass alle Aufgaben selbstständig erledigt werden. Durch das Traineeprogramm bei der Agentur kommunikation.pur habe ich die Arbeitsfelder einer PR-Beraterin direkt im Job erlernt. Ich konnte Fragen stellen und auch zugeben, wenn ich mich einer Aufgabe noch nicht gewachsen fühlte.“ Nach dem Start bekam Candy Sierks einen klar strukturierten, auf sie zugeschnittenen Ausbildungsplan, an dem sie sich orientieren konnte. Sierks empfiehlt, sich vom Unternehmen die Übernahme in Aussicht stellen zu lassen. Sonst bestünde Gefahr, als günstige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden.

Spätere Übernahme?

Alle befragten Unternehmen haben vor, ihre Trainees weiter zu beschäftigen. „Ich habe in den über zehn Jahren Selbstständigkeit als Geschäftsführerin und Inhaberin einer PR-Agentur durchweg gute Erfahrungen mit Trainees gemacht. Bisher ist jeder Trainee, der übernommen werden wollte, fest bei uns ein- und die Karriereleiter nach oben gestiegen. Aktuell wird unser neuer Trainee von einer ehemaligen Trainee betreut. Für mich eine tolle Entwicklung und eine Bestätigung, dass dieser Weg ein erfolgreicher ist – für beide Seiten“, meint Sandra Ganzenmüller von der Agentur kommunikation.pur.

Das kann Dorothea Küsters, Geschäftsführerin der Life Science Communications nur bestätigen: „Viele unserer ehemaligen Trainees sind heute in Senior-Positionen als Teamleiter oder Direktor tätig, bei uns oder in anderen Unternehmen. Dies ist für uns der beste Beweis, dass ein Traineeprogramm ein gelungenes Investment sowohl für den Berufseinsteiger als auch die Agentur ist.“

Ihre beiden ehemaligen Trainees Katja Jung und Laura Zimmer sind mit der Ausbildung sehr zufrieden. „Für Absolventen ist ein Traineeprogramm eine gute Chance, auch ohne fachspezifische Vorkenntnisse in die PR-Arbeit einzusteigen“, sagt Katja Jung. So könne man die Arbeit Schritt für Schritt und von Grund auf erlernen, ergänzt Laura Zimmer. „Dennoch ist es in jedem Fall empfehlenswert, vorab durch Praktika die Branche kennenzulernen. Sie ist sehr vielseitig und durch Vorerfahrung fällt es leichter, sich für einen bestimmten Bereich zu entscheiden“, meint Katja Jung.

Und wie lautetet nun das Fazit von Delara Ansari Jam?

„Traineestellen scheinen viele Vorteile zu bieten. Durch das verkürzte und straffe Studium erlebe auch ich, wie schwer es ist, nebenbei noch praktische Erfahrungen zu sammeln.“

Delara freut sich über die offenbar guten Übernahmeaussichten nach dem Traineeprogramm. Wer es sich zutraut und ausreichend Erfahrung mitbringt, kann aus ihrer Sicht aber auch den Direkteinstieg ins Unternehmen versuchen.

Linktipp: Studium, Praktikum und Beruf:
Auf den Websiten des VDOE gibt es viele Praktikumsangebote, Berufsporträts sowie Infos zum Stellenmarkt.

 

delaraÜber die Autorin:

Delara Ansari Jam wird dieses Jahr ihren Bachelor of Science in Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften an der Uni Bonn absolvieren.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit beim VDOE hat sie Einblick in die verschiedenen Berufsfelder erhalten und betreute den Stellen-Service des Verbandes. Als nächstes Etappenziel strebt Delara einen Masterstudienplatz im Ausland an. Ihr Wunsch ist eine spätere Berufstätigkeit im ernährungsmedizinischen Bereich.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *