Ernährung + Bildung= Note 1?!

Ernährung + Bildung = Note 1Bundesernährungsminister Christian Schmidt appellierte jüngst in einem Brief an die Kultusministerkonferenz, dass Ernährung ein eigenes Schulfach werden soll. Das ist vom Prinzip her gut gedacht, tauchen vor dem geistigen Auge doch Heerscharen unserer Zunft auf, die aktiv werden können z.B. als Coaches oder Schuloecotrophologen. Was es schon gibt in Sachen Ernährungs- und Verbraucherbildung und wie das zum Wunsch des Ministers passt, weiß unser Beiratsmitglied Dr. Margareta Büning-Fesel. Die Geschäftsführerin des aid hat sich dazu kürzlich im Tellerrandblog von Dr. Friedhelm Mühleib, Redakteur unserer Verbandszeitschrift VDOE POSITION, geäußert:

„Ernährungsbildung kommt, aber sicherlich nicht einfach als neues Schulfach, so wie es jetzt mal wieder gefordert wird. Und auf keinen Fall lässt sich der Wunsch des Ministers [..] nach einem Schulfach Ernährung mit dem Ansatz vergleichen, den die Professorin Ines Heindl seit langem verfolgt!

Schleswig-Holstein hat durch die engagierte Initiative von Frau Heindl in der Tat als erstes Bundesland das Fach Verbraucherbildung an allgemein bildenden Schulen eingeführt, um die Themen Ernährung und Gesundheit bzw. Konsum und Lebensstil aufzugreifen. Das Fach löst im Fächerverbund Arbeit-Wirtschaft-Verbraucherbildung von der 5. bis zur 10. Klasse das Fach Haushaltslehre ab. Mit Blick darauf wurden dann auch Konsequenzen für die Lehrerausbildung gezogen, indem entsprechende BA/MA-Studiengänge geschaffen wurden.
(vgl. http://www.uni-flensburg.de/ihl/downloads/Verbraucherbildung.pdf)

Und genau dies wird beim oft allzu leichtfertigen Ruf nach einem Schulfach Ernährung übersehen: In Deutschland gibt es derzeit ja noch nicht einmal genug Lehrkräfte für das in vielen Ländern schon bestehende (Wahl)Fach Hauswirtschaft, und im Gegensatz zu Schleswig-Holstein wird die Lehrerausbildung dazu woanders eher ab- als aufgebaut.

Dennoch tut sich seit dem KMK-Beschluss zur Ernährungs- und Verbraucherbildung etwas in den Ländern: In vielen Bundesländern (Berlin, Baden-Württemberg, NRW etc.) sind Rahmen-Lehrpläne in Arbeit, die eine Ernährungs- und Verbraucherbildung fächerübergreifend verankern sollen, mit Stärkung der Inhalte in sog. Ankerfächern bei gleichzeitiger konsequenter Berücksichtigung als Querschnittsthema in weiteren Fächern.
(vgl. http://www.kmk.org/presse-und-aktuelles/meldung/empfehlungen-der-kultusministerkonferenz-zur-verbraucherbildung-an-schulen.html)

Das ist der einzig sinnvolle und gangbare Weg, der eigentlich auch von Seiten des Bundes (und von weiteren Akteuren im Bereich der Ernährungsbildung!) unterstützt werden muss, wenn Beiträge in Sachen Ernährungsbildung ernst genommen werden sollen.“

 

 

Und diese Aktiväten und Beiträge gibt es: Beispielsweise an den Hochschulen und Universitäten. Und der aid bietet Konzepte wie den Ernährungsführerschein oder die SchmExperten an.

Und die genannte Oecotrophologin Ines Heindl, erst kürzlich vom Minister mit der Professor-Niklas-Medaille ausgezeichnet, ist übrigens eine der bekanntesten Expertinnen zum Thema Ernährungs- und Verbraucherbildung. Schon 2013 sagte sie in der Verbandszeitschrift VDOE POSITION dazu: „Wir wissen, wie es geht!“

Als Verband verfolgen wir das Thema weiter auf allen Ebenen. Die nächsten Termine dazu stehen schon: Die Treffen der VDOE-Netzwerke Haushaltwissenchaft/Außer-Haus-Verpflegung und Bildung am 4. und 5. März 2016 in Göttingen. Dort beschäftigen sich unsere Mitglieder mit der Schul- und Kita-Verpflegung in Deutschland und diskutieren über das Thema  „Kompetenzorientierte Ernährungsbildung in der Schule – die Arbeit der Oecotrophologen in der Schule: Vielseitig, kommunikativ, kompetenzorientiert, innovativ“.

Wir laden den Minister dazu herzlich ein!