Ernährungsberatung international: Südtirol

14. September 2016  |  Autor: (40 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis
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Südtirol lockt mit toller Kulisse. Foto: © IDM Südtirol / Clemens Zahn

Südtirol lockt mit toller Kulisse. Foto: © IDM Südtirol / Clemens Zahn

„Als ich mich für das Studium der Ernährungswissenschaften im Jahr 1992 entschied, rieten mir Experten bei der Studienwahlberatung davon ab. Grund dafür war die zu diesem Zeitpunkt in Italien noch fehlende Anerkennung. Ich entschied mich dennoch dafür, beendete 1998 das Studium in Wien und erhielt die Anerkennung meines Studientitels in „Scienze e Tecnologie Alimentari“ an der Freien Universität in Bozen (Südtirol) für den italienischen Staat.“, berichtet uns Dr. Ivonne Daurù Malsiner, Ernährungwissenschafterin und Coach.
Inzwischen hat sich im universitären Angebot im Bereich Ernährung in Italien einiges getan…

Vor zwanzig Jahren hatte man es als Ernährungsberater/in in dem mediterranen Land noch schwer, Fuß zu fassen. Doch dank einiger Änderungen entwickelt sich der Ernährungsbereich seitdem kontinuierlich weiter und weist nun eine Bandbreite an Fachkräften auf. Neben Diätologen und Ernährungstherapeut/-innen bzw. Diätassistent/-innen gibt es noch den „Biologi nutrizionisti“. Die Unterschiede der einzelnen Berufsbezeichungen hat Dr. Ivonne Daurù Malsiner für uns ausgeführt.

Berufsbilder und Ausbildungen im Bereich der Ernährungsberufe in Italien

Der/die Diätologe/Diätologin “Medico dietologo – specialista in scienza dell’alimentazione” hat nach dem Medizinstudium die Spezialisierung der Ernährungswissenschaften („Scienza dell’Alimentazione“) an einer Medizinischen Universität absolviert. Diese dauert 5 Jahre. Diätolog/-innen haben die berufliche Kompetenz Diagnosen zu erstellen und eine Ernährungstherapie zu verordnen.

Homepage der Ernährungswissenschafterin

Ernährungstherapeut/-innen – „il/la dietista“ sind berechtigt Gesunde als auch Kranke ernährungstherapeutisch zu betreuen und zu beraten. Geregelt wird dies vom Ministerialdekret vom 14. September 1994 Nr. 744, welches die Kompetenzbereiche des Berufsbildes beschreibt. Ernährungstherapeut/-innen führen die vom Arzt verschriebenen Diäten durch, erarbeiten die Zusammensetzung der Lebensmittelportionen zur Bedarfsdeckung von Bevölkerungsgruppen und führen didaktisch-erzieherische Informationstätigkeiten durch. Die Berufsausübung geschieht in der öffentlichen Verwaltung in Sanitätsbetrieben wie Krankenhäusern oder Sanitätsdienstleistern, in der Privatwirtschaft in Kurhotels, Privatkliniken und in der Lebensmittelindustrie, in freiberuflicher Tätigkeit oder durch die Führung einer eigenen Praxis, zumeist in ärztlicher Kooperation.
Die akademische Ausbildung zum/zur Ernährungstherapeut/-in wird in unterschiedlichen Medizinischen Fakultäten Italiens angeboten. Die Ausbildung dauert drei Jahre und die Absolvierung sieht auch gleichzeitig das Staatsexamen für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit vor. Ernährungstherapeut/-innen, welche den Studientitel an ausländischen Fachhochschulen erworben haben, müssen für die Ausübung des Berufes in Italien um eine Berufstitelanerkennung ansuchen.

Der Biologe / die Biologin mit Ernährungsspezialisierung – „biologo nutrizionista“ hat ein fünfjähriges Biologiestudium absolviert, unter Umständen mit einer fakultativen Spezialisierung auf die Ernährungswissenschaften, welche zur Erweiterung der beruflichen Kompetenzen im Bereich der Ernährung führt. Für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit ist ein Staatsexamen (geregelt wird dies vom Artikel 3 des Gesetzes 24.5.1967, n. 396 und Ministerialdekret vom 22 Juli 1993, Nr. 362) und die Einschreibung im Berufsalbum der Biologen erforderlich.
Diese Berufsgruppe kann keine Diagnose festlegen, doch keine Diäten an Gesunden und Kranken erstellen. Sie ist zudem in der Gemeinschaftsverpflegung, Forschung und Ernährungsbildung tätig. Der/die „biologo/a-nutrizionista“ arbeitet in öffentlichen sanitären Dienststellen (z.B. Krankenhäusern) oder in der Privatwirtschaft bzw. in freiberuflicher Tätigkeit.

Anerkennung der Ernährungswissenschaften in Italien
Wer ein Studium an österreichischen Universitäten abgeschlossen hat, kann den Studientitel mit Gesamtnote gemäß dem bilateralen Abkommen zwischen Österreich und Italien beispieslweise über die Freie Universität Bozen anerkennen lassen.
Das Studium der Ernährungswissenschaften – Mag.rer. nat (Diplomstudium) wird in „Laurea in Scienze e Tecnologie Alimentari“ anerkannt. Wer dieses Studium in Italien absolviert hat, arbeitet vor allem im Bereich der Lebensmitteltechnologie.
Das Bachelorstudium der Ernährungswissenschaften wird mit dem Studientitel „Scienze Biologiche Laurea triennale“ also als Biologiestudium anerkannt, ebenso wie der Master of Science mit dem Studientitel „Scienze Biologiche Laurea magistrale“. Die Berufsbefähigung kann über die Staatsprüfung in einer Italienischen Universität erlangt werden. Mit der darauffolgenden Einschreibung im Berufsalbum der Biologen können Ernährungswissenschafter/-innen als „biologo nutrizionista“ arbeiten.

Im alpin-mediterranen Süden Südtirols wird eine entspannte Lebensart gepflegt. Am Nachmittag ist es Zeit für die Marende mit Speck, Käse und Wein unter freiem Himmel.

Essen und Genießen stehen hoch im Kurs Foto: @IDM Südtirol | Frieder Blickle

Wo arbeiten derzeit Ernährungswissenschafter/-innen in Südtirol?
In Südtirol gibt es zurzeit ca. 15-20 Ernährungswissenschafter/-innen, welche in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Vom Unterricht an öffentlichen Schulen wie Gymnasien und Berufsschulen, in öffentlichen Ämtern, in der Lebensmittelproduktion, in privaten Einrichtungen bis hin zur freiberuflichen Tätigkeit sind verschiedenste Felder vertreten.

Die berufliche Tätigkeit ist vor allem eine beraterische und koordinative. Die Ernährungstherapie ist für Ernährungswissenschafter/-innen in Italien ausgeschlossen. Ein Gewerbeschein für die Ausübung der Ernährungsberatung gibt es in Italien, außer für die oben genannten Gesundheitsberufe, nicht.

Bei der Frage, ob ich mich noch einmal für dieses Studium entscheiden würde, stimme ich ganz klar zu.

„Es ist sehr breit gefächert und gibt Möglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen tätig zu sein. Einfach ist es jedoch nicht! Das Studium der Ernährungswissenschaften gibt es in Italien nicht, wodurch eine „Eins zu eins“-Anerkennung hierzulande nicht möglich ist. Dies erschwert die Ausübung des Berufes. Die Anerkennung in „Laurea in Scienze e Tecnologie Alimentari“ ist jedoch eine guter Start in die richtige Richtung und nicht nur zweckmäßig, für die, die wie ich in der Gesundheitsförderung und nicht in der Lebensmitteltechnologie arbeiten. Ich wünschte mir, die Anerkennung der Studientitel in allen europäischen Staaten würde einfacher und gleichwertiger geschehen.“

 

Zur Person: Dr. Ivonne Daurù MalsinerPortraitfoto Dr. Malsiner

  • Ernährungswissenschaftlerin und Coach, ausgebildete Sporternährungsberaterin
  • Prävention und Gesundheitsförderung in Schulen und öffentlichen Institutionen
  • Ernährungsfachliche Begleitung in der Gemeinschaftsverpflegung von Betriebskantinen, Schulmensen und Gastbetrieben
  • Qualifiziert für die Allergeninformations-Schulung
  • Mitarbeiterin der Infes Fachstelle für Essstörungen in Bozen
  • Mitglied im Verband der Ernährungswissenschafter Österreich

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