Exklusive Vorberichte zur VDOE-Jahrestagung

Vom 9. bis 11. Juni 2016 findet in Dresden die gemeinsame Tagung von DGEM, VDOE und BDEM „Ernährung 2016 – Ernährungsmedizin gemeinsam bewegen“ statt. In einer fünfteiligen Blogserie geben wir Ihnen einen kleinen Vorgeschmack, worauf Sie gespannt sein können – zum Beispiel auf neue Ansätze zur Ernährungstherapie bei Krebspatienten.Ernaehrung2016-Banner

Onkologie – Bedeutung von Ernährungs- und Lebensstilintervention

Die Diagnose Krebs ist schon per se für die Betroffenen eine Horrormeldung. Meist folgen Operationen, Bestrahlungen und Chemotherapie, verbunden mit wiederholten Krankenhausaufenthalten. Ausgelöst durch die Erkrankung selbst oder durch die Nebenwirkungen der Therapien verlieren Krebspatienten häufig auch noch an Gewicht. Das wirkt sich oft ungünstig auf den Heilungsverlauf aus, aber auch auf die allgemeine Lebensqualität, manchmal sogar auf die Überlebensrate. Im Prinzip sind sich daher heute alle einig, dass Ernährungstherapie wichtiger Bestandteil jeder Krebstherapie sein sollte.

Um das Wissen der Zusammenhänge und die Aufmerksamkeit für das Problem der Mangelernährung zu fördern, geht es seit 2012 im Rahmen des „nutritionDay worldwide“ ganz gezielt auch um Krebs. nutritionDay ist die weltweit größte Untersuchung zur Ernährungssituation in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Einmal pro Jahr werden dazu weltweit Patienten bzw. Bewohner befragt. Bisher nahmen 51 Länder teil; es wurden bereits Daten von 150.000 Teilnehmern zusammengetragen. In Dresden erhalten die Teilnehmer der Tagung dazu nun wichtige Informationen aus erster Hand: Professor Michael Hiesmayr aus Wien, der Leiter von nutritionDay, wird über die aktuellen Ergebnisse zur Ernährungssituation von Krebspatienten berichten und erläutern, welche praktischen Folgen sich daraus ergeben.

Kerstin Bernhardt

Kerstin Bernhardt

Noch ausbaufähig: Ernährungstherapie in der ambulanten Versorgung

Noch viel zu wenig Aufmerksamkeit erhält dagegen die ambulante Ernährungstherapie von Krebspatienten. Das erlebt die Diplom-Oecotrophologin und VDOE-zertifizierte Ernährungsberaterin Kerstin Bernhardt täglich in ihrer Praxis. Zwar gebe es Leitlinien und Positionspapiere, die dazu Hinweise enthalten, es hapere allerdings an der Umsetzung. „Aus meiner Sicht gibt es hier eine richtige Versorgungslücke“, meint Bernhardt. Grundsätzlich könne die durch spezialisierte Ernährungstherapeuten geschlossen werden. Die wissen schließlich genau, worauf es bei der Arbeit mit Krebspatienten ankommt. „Doch ich vermute, viele Ärzte haben nur eine diffuse Vorstellung davon, wie unsere Arbeit aussieht und was wir leisten können.“ Das zeigt sich auch daran, dass die meisten Patienten, die zu Kerstin Bernhardt kommen, nicht von einem Arzt zu ihr geschickt werden. „Oft sind es eher die Physiotherapeuten oder Logopäden, die ihnen den Tipp geben“, hat sie festgestellt. Umso erfreulicher, dass Kerstin Bernhardt in Dresden gemeinsam mit Medizinern über Krebs und Ernährung referieren wird.

Praktischer Ansatz zu Sport, Ernährung und Stressreduktion bei Krebs

Wer mit Krebspatienten arbeitet, hört früher oder später außerdem die Frage „Was kann ich selber tun?“ Antworten darauf soll jetzt eine Studie mit Patienten geben, die bereits eine Operation infolge eines aggressiven Prostatakarzinoms hinter sich haben. In Dresden wird Dr. Imke Thederan über ihre Erfahrungen mit einer vorab durchgeführten Machbarkeitsstudie berichten. „Wir haben untersucht, welche Möglichkeiten der Intervention sich in den drei Bereichen Sport, Ernährung und Stressreduktion auftun“, sagt die Ernährungsmedizinerin. „Dabei ging es um ganz praktische Übungen wie gemeinsame Mahlzeiten oder Meditation und Beobachtungen zur Akzeptanz und Motivation seitens der Patienten“. Hinter allem steht natürlich das übergeordnete Ziel, mit Hilfe einer großen Studie herauszufinden, ob sich die Rezidivrate für diese Krebsart durch eine gezielte Intervention senken lässt. „Wir hoffen, dass wir damit noch in diesem Jahr loslegen können“, verrät Thederan.

Als vierter Referent wird Professor Hartmut Bertz von der Uniklinik Freiburg über die medikamentöse Therapie der Kachexie berichten.

Mehr zum Thema erfahren Teilnehmer am 9. Juni 2016, 11.00-12.30 Uhr in der Vortrags-Sitzung  „Onkologie – Bedeutung von Ernährungs- und Lebensstilinterventionen“, die von VDOE-Mitglied Christoph Meinhold aus Köln und Dr. Karin Schindler aus Wien geleitet wird:

Weitere Informationen zur „Ernährung 2016“ in Dresden gibt es hier. Wenn Sie sich bis zum 30. April anmelden, profitieren Sie vom Frühbucher-Rabatt.

Autorin: Gabriela Freitag-Ziegler

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