Über die Fidschi-Inseln zum VDOE: Part 2

Die Fidschi-Inseln klingen nach Traumurlaub. Die Oecotrophologin Verena Laubenbacher lernt dort aber Projekte rund um die Ernährungsbildung und –sicherung in der Südsee kennen. Ein Praktikum beim National Food and Nutrition Centre soll es möglich machen. Die Triesdorfer Absolventin berichtet im VDOE-Blog in lockerer Folge über ihren Weg zu den Trauminseln, ihre Erfahrungen und Erlebnisse!

Dies ist der zweite Teil der Blogreihe „Über die Fidschi-Inseln zum VDOE“.

Im ersten Teil erfahren Sie mehr über den Werdegang und den Weg vom Studium bis zum Reiseantritt von Verena Laubenbacher.
In diesem Part werden neben der Ankunft und den ersten Kontakten zu den Einheimischen auch die ersten Eindrücke und Besonderheiten der Ernährungssituation auf Fidschi deutlich gemacht. Sie zeigen, wie unterschiedlich die Kulturen sein können und inwiefern das Essverhalten der Bewohner von der westlichen Welt geprägt wird.

Abb7_Nadi-Airport

Der Westen der Insel Viti Levu

Nach knapp 40 Stunden Reisezeit ist es also geschafft und ich bin schließlich in Nadi, International Airport of Fiji angekommen, gelegen im Westen der Hauptinsel Viti Levu. Nun mache ich mich erst einmal auf die Suche nach einem Taxi um in mein drei Autostunden entferntes neues zu Hause in der Hauptstadt Suva zu kommen. Mein fidschianischer Taxifahrer ist, wie der Großteil der Bevölkerung, sehr gesprächig und daran interessiert, mir möglichst viel in möglichst kurzer Zeit über sein Land beizubringen. Er erzählt mir sichtlich stolz von der Vielzahl der Ausflugs- und Abenteuermöglichkeiten und die ausgeprägt gelebte Kultur seines Heimatlandes. Die sozialen Probleme kommen in unserem Gespräch aber auch nicht zu kurz. Ein Teil findet seinen Ursprung in der Teilung der Gesellschaft in indigene Fidschianer und Indo-Fidschianer. Ende des 19. Jahrhunderts brachten die Briten Inder als teils unfreiwillige Arbeiter nach Fidschi. Diese wurden dann oft gezwungenermaßen sesshaft und stellen heute knapp die Hälfte der Bevölkerung dar.

Abb1_beware coconutDoch seine gesprächige Art schlägt schnell um, als ich seine Frage mit ja beantworte, ob wir Zuckerrohrfabriken in Deutschland haben, Er erzählt, dass wirtschaftlich-politische Machtspiele die Zuckerrohr-Kultivierung auf Fidschi in den letzten Jahren fast komplett zerstört haben. Ein Problem sind die erwähnten Spannungen innerhalb der Gesellschaft. Der größte Anteil der Zuckerrohr-Bauern besteht aus Indo-Fidschianern, welche das bewirtschaftete Land aber hauptsächlich nur (von indigenen Fidschianern) gepachtet haben. Nach Ablauf des Vertrages wird dieser oft aus fehlender kultureller Akzeptanz nicht verlängert, was in vielen Fällen Arbeitslosigkeit zur Folge hat. Zum anderen konnten die Landwirte dem wachsenden Preisdruck des Weltmarktes nicht mehr Stand halten und bekamen ernste Probleme, ihre Familie weiterhin ernähren zu können.
Doch das sind bei Weitem nicht die einzigen Probleme. Obwohl die Einheimischen immer ein Lächeln auf den Lippen und Sonne im Herzen haben, bedarf es keines langen Aufenthaltes, um zu erkennen, dass einiges (noch) nicht wünschenswert und moralisch vertretbar abläuft.

Das Thema Ernährung ist ganz weit oben aufzuführen. Die Frucht- und Gemüseauswahl, die man in den Markthallen und an den Straßenständen vorfindet ist atemberaubend. Von Brotfrucht, Jackfrucht über Vi und Moli ist alles was das Herz, und vor allem der Magen begehrt, zu finden.

Abb3_Bunte lokale Vielfalt in der Markthalle von Suva

Bunte lokale Vielfalt in der Markthalle von Suva

Man möchte meinen, dass Übergewicht somit gar nicht erst entstehen kann. Doch das Gegenteil wird ersichtlich, sobald man das Flugzeug verlassen hat und die Insel betritt. Bis auf wenige Vertreter des Nationalsports Rugby ist ein BMI von weit über 25 der Durchschnitt.

Dieses weit verbreitete Übergewicht, welches eine immense hohe Diabetes-Rate mit sich bringt, ist ein ernstes Gesundheitsproblem – wenn auch noch kein altes. Es ist ein wortwörtlich importiertes Problem: Hochkalorische Produkte, die in hohen Mengen konsumiert werden.

Abb4_Treffend bennantes Einkaufszentrum in Lautoka

Treffend bennantes Einkaufszentrum in Lautoka

Diese Produkte haben meiner Meinung nach auch einen Einfluss auf den zurückgehenden Absatz der einheimischen Produkte, welche vor allem aus Obst und Gemüse bestehen. Zudem kommen die Importgüter bereits in Unmengen von Plastik verpackt auf der Insel an und werden beim Verkauf mit noch mehr Plastik umhüllt, welches am Ende des Tages oft offen verbrannt wird bzw. im Straßengraben oder Meer landet.

Ich stelle mir also die Frage, welche Handlungsschritte erforderlich sind, um diesen Thematiken entgegen zu wirken und einen Wandel im Denken und Handeln der Bevölkerung zu erreichen.
Meine Motivation auf die Fidschi-Inseln zu fliegen, gliedert sich in zwei Teile. Zum einen möchte ich ein Land erleben, von dem ich bisher nur unglaublich tolle Foto- und Filmaufnahmen kenne. Diese atemberaubende Landschaft, in der wahnsinnig warmherzige Menschen voller Lebensfreude ihr zu Hause haben, bietet sich an, das Nützliche mit dem Notwendigen zu verbinden. Denn ich möchte gleichzeitig etwas zurückgeben, meine Qualifikationen einbringen um umwelt- und gesundheitsbewusstes Handeln zu fordern und zu fördern, was den Pazifik-Staat gleichzeitig auch wirtschaftlich vorwärts bringen kann. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist also sicherlich eine Organisation zu unterstützen, die sich hauptsächlich der Gesundheitsproblematik widmet.

Nach meiner Ankunft in Suva mache ich mich also, wie von Deutschland aus vereinbart, auf dem Weg zum National Food and Nutrition Center. Zu Beginn werde ich gleich einmal allen Kollegen vorgestellt. Dann folgt ein Gespräch mit dem für mich verantwortlichen Ernährungswissenschaftler. In diesem stellt sich heraus, dass ich die Einrichtung mit meinen Qualifikationen sehr gut unterstützten könnte und er stellt mir auch gleich eine Reihe aktueller Projekte vor. Dann fehlt also nur noch das formale Bestätigungsschreiben, welches ich bei der Einwanderungsbehörde vorlegen muss. Doch genau da ist der Haken an der Sache. Es stellt sich auf einmal heraus, dass die Auswahl-Prozedur für Volunteers beim Gesundheitsministerium momentan umgestellt wird. Daher sei es aus administrativen Gründen leider nicht möglich meine Unterstützung anzunehmen.

Damit habe ich absolut nicht gerechnet…

Mehr gibt es im dritten Teil!