„Gluten, Fruktose, Süßstoffe – Hotspots der Ernährungsmedizin“

Sie beherrschen klassische Printmedien oder Social Media-Kanäle und sind sogar Streitthema in aktuellen TV-Talkshows: Lebensmittelbestandteile, die mit- oder gar hauptverantwortlich für eine Reihe von Stoffwechselerkrankungen sein sollen. Einen Überblick über den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu den drei „Übeltätern“ Fruktose, Gluten und Süßstoffe geben in Dresden zwei Oecotrophologinnen und eine Ernährungsmedizinerin.

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Dr. Bettina Jagemann

Dr. Bettina Jagemann

Kontroverse Diskussion zu Fruktose in der Ernährung
Nach langer Diskussion wurde Fruktose seit 2009 als Diabetikersüße vom Markt genommen. Doch der Fruchtzucker steht nach wie vor in der Kritik, denn er ist eine beliebte Zutat in der Lebensmittelindustrie mit noch nicht eindeutig geklärten Effekten auf die Gesundheit. Dabei geht es vor allem darum, inwiefern ein Zusammenhang zwischen dem Fruktosekonsum und der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas besteht. „Vermutlich ist Fruktose nur bei einer ohnehin hyperkalorischen Ernährung problematisch und nicht per se ein Trigger für Übergewicht“, sagt die VDOE-zertifizierte Ernährungstherapeutin Dr. Bettina Jagemann.
Allerdings steht im Raum, inwieweit Fruktose für die zunehmende Zahl an nicht-alkoholischer Fettleber (NAFLD) mitverantwortlich ist. „Hierfür liegen bisher nur Fakten aus Tierversuchen vor, aber interessante physiologische Studien beim Menschen zeigen, dass Ernährung komplexer gesteuert ist und systemische Folgen eines überhöhten Fruktosekonsums eventuell unterschätzt werden“, sagt die Diplom-Oecotrophologin. Was auch fehlt, sind statistische Daten zum Verbrauch von Fruktose. Die gibt es lediglich zur Saccharose und Glucose. Aktuelle Studien belegen jedoch, dass der Umsatz von Softdrinks – eine der Hauptquellen für Fruktose – in Deutschland weiter gestiegen ist. „Eine klare Korrelation zu Diabetes mellitus Typ 2 und NAFLD lässt sich daraus aber bislang nicht ableiten“, so Jagemann.

Imke Reese

Dr. Imke Reese

Glutensensitivität – ein erfundenes Krankheitsbild?
Während die Zöliakie eine ernst zu nehmende und unbedingt therapiebedürftige Stoffwechselerkrankung ist, kursieren zur Glutensensitivität mehr Spekulationen als wissenschaftlich gesicherte Fakten. Zwar wurde der Begriff schon im Jahr 2012 als „Non Celiac Gluten Sensitivity“ (NCGS) definiert; doch was verbirgt sich wirklich dahinter? Dieser Frage nähert sich Dr. Imke Reese, die sich als Diplom-Oecotrophologin und VDOE-zertifizierte Ernährungstherapeutin auf Lebensmittelallergien spezialisiert hat. „Aus meiner Sicht ist die Glutensensitivität vor allem eine neue Modekrankheit. Der Glaube daran wird von den Firmen, die an glutenfreien Produkten verdienen, bestärkt“, sagt Reese. „In Dresden werde ich Licht ins Dunkel bringen, welche wissenschaftlichen Grundlagen es bisher zu diesem Thema gibt.“

 

PD Dr. Susanna Wiegand

PD Dr. Susanna Wiegand

Süßstoffe – Stimmt das Nutzen-Risiko-Verhältnis?
Süßen, ohne Energie aufzunehmen – das scheint sowohl für Verbraucher als auch für Lebensmittelhersteller eine attraktive Alternative zur Verwendung von herkömmlichem Zucker zu sein. Aber welche Auswirkungen haben die verschiedenen Stoffe auf die Ernährung und unser Essverhalten? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um künstliche Süßstoffe verspricht PD Dr. Susanna Wiegand. „Dazu gehört auch das Wissen über mögliche Nebenwirkungen“, sagt die an der Berliner Charité tätige Kinder- und Jugendärztin, die auf Adipositas, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen spezialisiert ist. Und dazu zählt auch eine Frage, die bisher nicht abschließend geklärt ist: Welchen Effekt haben Süßstoffe auf das Gewicht, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen? Denn sollte der Ersatz von Zucker durch Süßstoffe am Ende zu einem Mehr auf der Waage führen, wäre die Idee vom Süßen ohne Reue hinfällig.

Die VDOE-Vortragssitzung „Hotspots in der Ernährungsmedizin“ findet am 09.06.2016, 16.00 – 17.00 Uhr statt. Sie wird geleitet von Dr. Maike Groeneveld aus Bonn.

Weitere Informationen, Tagungsprogramm und Anmeldung: „Ernährung 2016“.

Autorin: Gabriela Freitag-Ziegler

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