Hauswirtschaft und Integration: Wer, wenn nicht wir?

10. Oktober 2017  |  Autor: (61 Artikel)
Kategorie(n): Unterwegs & vor Ort, Wissenschaft & Forschung
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Hauswirtschaft leistet einen wertvollen Beitrag bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und bietet hier große Chancen. Dies wurde bei der Fachtagung „Hauswirtschaft in Zeiten interkultureller Herausforderungen“, veranstaltet von der Landesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft Niedersachsen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft (BAG-HW) und der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft e.V. (dgh), deutlich. VDOE-Vorstandsmitglied Gabi Börries war vor Ort.

72 MultiplikatorInnen aus dem Bildungsbereich, Akteure in der Arbeit mit Geflüchteten und Geflüchtete kamen am 14. September im WABE-Zentrum Klaus Bahlsen in Osnabrück zusammen, um sich zu diesem Thema zu sensibilisieren, sich zu vernetzen und bereits gewonnene Erfahrungen sowie Arbeitsmaterial auszutauschen. Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung.

Veranstalter, Unterstützer und Referenten freuen sich auf über 70 Teilnehmer.

Hochkarätig waren die Sprecher der Grußworte: Matthias Selle (Kreisrat des Landkreises Osnabrück), Carola Sandkühler (Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Dr. Henning Albrecht (stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung), Martina Schäfer (Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft in der dgh) sowie der Präsident der Hochschule Osnabrück, Prof. Dr. Andreas Bertram. Sie hoben noch einmal die Aktualität und den Stellenwert des Tagungsthemas hervor.

Als  Einführung vermittelte Dr. Gertraud Pichler, Ehrenpräsidentin der International Federation for Home Economics (IFHE), sehr anschaulich die Grundlagen interkulturellen Handelns mit vielen Beispielen aus der Praxis. Nach einer kurzen Übersicht der Organisatorin, Moderatorin und Mitglied im Arbeitskreis Versorgung Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt zu der Projektarbeit im WABE-Zentrum, unter anderem zu den Themen Ressourcenverbrauch bei der Nahrungszubereitung und Inklusion durch interreligiöse Schulverpflegung, bot das gewohnt nach allen Regeln der Nachhaltigkeit zubereitete Mittagessen Gelegenheit, die TeilnehmerInnen besser kennenzulernen.

Best Practise: Interkulturelle Hauswirtschaft

Am Nachmittag folgten nun Best Practice Beispiele zur „Interkulturellen Hauswirtschaft“. Den Anfang machte Sigried Boldajipour, stellvertretende Vorsitzende der dgh, die interkulturelle Erfahrungen in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten schilderte. Dem schloss sich Martina Schäfer, Vorsitzende der BAG-HW, mit der Vorstellung von bewährten Materialien, die die BAG-HW zur interkulturellen Arbeit gesammelt hat, an. Diese ständig wachsende, umfangreiche Materialsammlung, die sich als offene Plattform versteht, findet sich online unter www.dghev.de, Flüchtlingsarbeit meets Hauswirtschaft.

Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt erläuterte nun das Pilotprojekt „Interkultureller Dialog zur Alltagsernährung im hauswirtschaftlichen Kontext“, dessen Abschluss sowie die Fortsetzung in einem größeren Folgeprojekt  vor Ort zeitgleich stattfindet. So waren einige der interkulturellen „Kochtandems“ bestehend aus Geflüchteten und Hauswirtschaftsfachkräften anwesend, von denen viele auch am Folgeprojekt teilnehmen werden.

Sonja Pöhls von der DGE Sektion Niedersachsen erläuterte das interkulturelle Bildungsprojekt „Zu Gast in anderen Küchen“ gefolgt von Daniela Katz-Raible vom Diakonischen Werk Württemberg e.V., die Beeindruckendes von der Ausbildungsoffensive Hauswirtschaft „Oikos“ zu berichten hatte.

Küche & Co. bieten Gelegenheit zum interkulturellen Austausch

In der anschließenden Feedbackrunde äußerten die teilnehmenden Frauen aus Syrien ihre Freude an den am WABE-Zentrum stattfindenden Projekten und den Wunsch nach mehr Gelegenheiten zum Deutschreden sowie zum interkulturellen Austausch. Die Schilderung weiterer Erfahrungen und konkrete Hinweise für die Praxis zeigten noch einmal klar, wie wertvoll die Gelegenheit zu einem solchen Austausch ist. Denn nicht nur von Partys und aus dem Familienalltag weiß man: Die besten Gespräche finden in der Küche statt!

Das WABE-Zentrum: Ort des Dialogs in Osnabrück.

Die Veranstaltung veranschaulichte auf vielfältige Weise, dass zum Gelingen der gesamtgesellschaftlichen Herausforderung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund die Hauswirtschaft einen wertvollen Beitrag leisten und große Chancen bieten kann. Die Hauswirtschaft als Basiskompetenz zur Daseinsgestaltung, die in allen Ländern und Kulturen dieser Erde notwendig und vertraut ist, bietet ideale Verknüpfungsmöglichkeiten von Alltag, Spracherwerb und Integration. Daher lautet das Fazit dieser gelungenen Veranstaltung: Wer, wenn nicht wir?

Gabi Börries, Osnabrück

Bericht der Hochschule Osnabrück: Wieso Hauswirtschaft für Integrationsprojekte wichtig sein kann

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