Expo in Mailand: „Ich bin froh, dass ich dort war!“

22. Oktober 2015  |  Autor: (27 Artikel)
Kategorie(n): Unterwegs & vor Ort
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Logo Expo c ExpoFeeding the planet – Energy for life: Das Expo-Motto hat unser Mitglied Silke v. Küster neugierig auf die Weltausstellung in Mailand gemacht. Voller Eindrücke berichtet die Oecotrophologin von der Italienreise:

 

Foto: v. Küster

20.000 LED Leuchten erzeugen Bilder im chinesischen Pavillion

Als mir Anfang des Jahres bewusst wurde, dass die Expo dieses Jahr in Mailand stattfindet und ich dann noch das Thema ‚Feeding the planet – Energy for life‘ realisierte, war mein Interesse daran geweckt und ich nahm mir fest vor, Mailand und die Expo zu besuchen. Leider habe ich keine Kollegin oder andere Mitreisende finden können, sodass ich Anfang September alleine on Tour ging. Es gab unter den Kollegen scheinbar häufig die Frage, ob sich eine Reise dahin lohnt, ob man überhaupt genug mitbekommt oder nur in langen Schlangen ansteht. Grundsätzlich kann ich sagen, dass sich eine Reise nach Mailand immer lohnt (schon der tollen Stadt wegen) und dass man sich als Expo-Besucher nicht vor Menschenmenge scheuen darf. Ja, man steht häufig dort in Warteschlangen und kommt in manche spektakulären Pavillons nicht hinein, es sei denn, man kalkuliert eine mehrstündige Wartezeit ein. Wenn man sich, wie ich es gemacht habe, nur einen Tag für die Expo vornimmt, dann muss man entsprechend dem Andrang entscheiden, wo sich das Anstehen lohnt und wie viel man überhaupt aufnehmen kann.

Lebensmittelpyramide aus Angola

Lebensmittelpyramide aus Angola

Das übergeordnete Thema ist allgegenwärtig und wird mit visuellen und virtuellen Interaktionen präsentiert. Dabei gehen Schönheit und Unterhaltung oftmals vor, das Ökologische soll optisch gut wirken. Trotzdem hat mich die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Präsentationen begeistert. So sprüht der Pavillon von Angola über vor Lebensfreude und zeigt sehr deutlich, wie sehr Essen doch ein Bestandteil der Kultur ist. Im spanischen Pavillon kann man sich auf eine ‚Reise des Geschmacks‘ begeben und die ‚Sprache des Geschmacks‘ erfahren. Hier gefiel mir ein Raum sehr gut, dessen Wanddekoration weiße Teller waren, auf die dann landestypische Erzeugnisse, Gerichte oder Esssituationen projeziert wurden.

Kombimarke_German Pavillon_Expo 2015_gs_aEs gibt sehr viele edukative Elemente, hier fällt besonders der deutsche Pavillon (Motto: field of ideas“) auf. Der Besucher bekommt eine Klappkarte aus Wellpappe mit Reflexpunkten. Diese werden an den Stationen zur Leinwand, wenn man sie unter Lampen hält. Dabei geht es dann um Nahrung als Quelle, Produktionsmittel und deren Konsum. Am Ende des Rundgangs erwartet den Besucher eine Show mit zwei leicht hyperaktiven Animateuren, deren Sinnhaftigkeit mir etwas rätselhaft war. Das Motto ist ‚be aktive‘ und fordert die Zuschauer zum Nachahmen von Tierlauten oder Geräuschen aus der Natur auf. Die Idee, kleinen Ländern eine Präsentation im Bereich eines Clusters zu bieten, finde ich gut, auch wenn deren Darstellung dann meistens bei dem ‚Zur Schau stellen‘ von landestypischem Kunstgewerbe oder Essen bleibt.  Es geht ganz allgemein um die Abbildung von Gegenwart und Zukunft, stellvertretend für letzteres ist der Supermarkt der Zukunft, dessen Regale mit interaktiven Boards ausgestattet sind, die zu jedem Produkt Informationen zur Herkunft, Inhaltsstoffen, Allergenen oder dem ökologischen Fußabdruck anzeigen.

Die Architektur der Pavillons ist sehr beeindruckend, so wurde der Einführungspavillon ‚Zone zero‘ um einen riesigen, alten Baum herum gebaut. In diesem von den Vereinten Nationen gestaltet Pavillon wird das Thema der Expo in seiner sozialen, kulturellen, technologischen und wirtschaftlichen Bedeutung sehr eindrucksvoll präsentiert. Man sieht insgesamt viel Holz als Bauelement, womit der Gedanke von Nachhaltigkeit aufgegriffen wird. Es gibt in jedem Pavillon ein Restaurant mit landestypischer Kost – allerdings zu, aus meiner Sicht, überteuerten Preisen. Sehr schön sind dagegen Zapfstellen, an denen man seine Wasserflasche kostenfrei auffüllen kann.

Alles in allem war ich nach 10 Stunden Expo, in denen ich immerhin 9 Länderpavillons mehr oder weniger intensiv besuchte (so viel zum Thema, wie viel man zu sehen bekommen kann), erfüllt mit vielen Eindrücke, aber auch sehr erschöpft. Angesichts der Tatsache, dass an vergangene Expos die Wahrzeichen von Paris, Brüssel und Seattle erinnern und auch Erfindungen wie der Lippenstift oder die Geschirrspülmaschine vormals dort präsentiert wurden, bleibt natürlich die Frage, was von dieser Expo bleibt. Es ist zu hoffen, dass hiermit bei den Besuchern (zu meinem Erstaunen zu 90% Italiener) das Bewusstsein für unsere Nahrung als Lebensquelle, deren Endlichkeit und Wert geweckt wird. Vielleicht ist es vor allem ein Verdienst dieser Ausstellung, die vielen Millionen Besucher alle an einen Tisch zu bringen.

Ich bin froh, dass ich dort war!

Über die Autorin:

Foto: privat

Foto: privat

Silke von Küster ist Diplom-Oeoctrophologin, hat in Gießen studiert und arbeitet als zertifizierte Ernährungsberaterin in Wiesbaden (Fit von Küster). Sie hat langjährige Erfahrung in der Nahrungsmittelindustrie, mit Arztpraxen, Krankenkassen und Schulen. Ihr Motto lautet:  Wertvolles Essen – verstehen, erleben und genießen.

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