Leserbrief: Die Zukunft der professionellen Ernährungstherapie hat bereits begonnen.

Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler hat uns im Interview für die VDOE-POSITION 01/2017 Fragen zu Foodtrends beantwortet. Dabei ging es auch um die Rolle der Ernährungsberatung und ob reine Aufklärung da den Menschen überhaupt erreicht. Die in der Ernährungstherapie tätige Expertin Sonja M. Mannhardt bezieht dazu Stellung.

Status quo der Ernährungstherapie

Im Grunde genommen hält Frau Hanni Rützler der gesamten professionellen Ernährungsberatung  mit Ihren Statements in der VDOE Position den Spiegel vor und drückt aus, was offenbar common sense ist. „Es geht darum, sich wertschätzend mit dem Essalltag der Menschen auseinanderzusetzen und auf Augenhöhe zu kommunizieren,“ sagt Frau Rützler und weiter stellt sie fest, dass „der Beratung noch immer Werkzeuge fehlen für einen wirklich individuellen Ansatz ohne Zeigefinger und reiner Aufklärung.“ Und sie sagt, dass die „Ansprüche der Klienten um ein Vielfaches höher sind, als dies die Ernährungsberatung erfüllen kann.“ Das Problem sieht sie in der „viel zu engen Denkweise.“

Selbstverständnis in der Beratung und Ernährungstherapie

Sind wir tatsächlich alle so engstirnig und brauchen eine solche Belehrung? Ich sage NEIN! Gottlob, es haben sich schon viele auf den anderen Weg gemacht, mit neuen PÄDAGOGISCH-ganzheitlichen Methoden, neuen PROFESSIONELLEN Werkzeugen, die sich von denen der Ernährungskommunikation unterscheiden, mit neuen ethisch-moralischen Beratungsprinzipien, erweiterten Denkweisen (weg von der nackten Naturwissenschaft hin zum Brückenbau zwischen Medizin UND Soziologie, Pädagogik, Psychologie, Phänomenologie zu beraten). Kollegen die sich noch auf den Weg machen wollen, sind herzlich dazu eingeladen, eingetretene Pfade zu verlassen und Kontakt mit uns aufzunehmen, denn die Zukunft beginnt für uns alle spätestens jetzt! Wer Gärtchen baut und sagt, wir brauchen keinen Blick auf Tradition und Esskultur, wer aus den eigenen Reihen sagt, Pädagogik sei nicht unser Job, Psychologie und Gefühle gehören auf die Couch und nicht in unsere Beratungen. Wer die Meinung vertritt, nackte Naturwissenschaft sei valider als die phänomenologische Hermeneutik der Faktizität des Einzelnen zu betrachten, der braucht sich nicht zu wundern, dass Ernährungsberatung „ersetzbar“ wird, und unser Image immer mehr Schaden nimmt.

Verbindung von Naturwissenschaft, Pädagogik und Psychologie

Im Grunde genommen sollten wir Frau Rützler für Ihre Kritik an einem ganzen Berufsstand dankbar sein, denn Sie spricht aus, was Viele da draußen denken…. Berater, die ihre Klienten ernst nehmen und als Ernährungstherapeut in die Zukunft wollen, sollten sich ihrer Verantwortung für den zentralsten Lebensaspekt des Menschen, nämlich ESSEN, gewahr sein….Und dazu gehört auch, wie Imke Reese in ihrem Artikel beklagt, dass Kollegen aufhören dem „Einschränkungswahn zu folgen“ und ebenfalls unreflektiert „weglassen“ und damit Menschen u.U. mehr schaden, als nutzen. Fachlich-medizinisch-ernährungswissenschaftliches Wissen ist zwar in unserem Beruf dringend notwendig, um nicht „herumzudoktern“, doch auch pädagogisch-psychologisch-phänomenologisch-hermeneutisches Know-How ist wichtig um nicht nur Körper und Ernährung ins Zentrum zu rücken, sondern MENSCH und ESSEN. Professionelles, strukturiertes prozessuales Know-How ist notwendig, um von einem fundierten Assessment, über eine profunde Ernährungsdiagnostik, über eine passgenau-individuelle Intervention zu gewünschten Patientenzielen zu gelangen….denn es geht nicht um die Ziele der Berater, sondern um das Wohl und die Lebensqualität, die Gesundheit unserer Patienten. Es wird Zeit, das zu benennen, was uns von Ernährungskommunikation und banaler, vulgärer Ernährungsberatung unterscheidet!

Liebe Frau Rützler, liebe Imke, herzlichen Dank für diese klaren, kritischen Worte, die hoffentlich so manche Kollegin aus dem Dornröschenschlaf wachrüttelt. Uns prof e.a.t. ESSperten zeigen diese kritischen Kommentare jedenfalls, dass wir für die Zukunft bereits Lösungen und Antworten haben, bevor sie von vielen Kollegen überhaupt gestellt worden wären. Wir fühlen uns von dieser Kritik nicht angesprochen, denn WIR arbeiten anders 🙂

 

Sonja MannhardtDie Autorin: Sonja M. Mannhardt

• Freiberuflich tätig als Ernährungstherapeutin, Executive Coach, Fachautorin; Projektenwicklung
• Leiterin von prof-e.a.t tools, method & team und der Akademie für Beratung und Philosophie GbR.
• Studium der Ernährungswissenschaften in Bonn

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