Next Generation Food: Trendveranstaltung der Food-Branche

23. Januar 2017  |  Autor: (36 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Unterwegs & vor Ort
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Next Generation Food - Impressione


Im Umfeld der „Berlin Foodweek“ kamen im vergangenen Herbst rund 250 Besucher in der Kalkscheune zu der eintägigen Veranstaltung „Next Generation Food 2016“ (#NGF16) zusammen. Zentrale Themen der mehr als 50 Sessions des Tages: die Zukunft des Onlinehandels, Konsumgewohnheiten der nachrückenden Generation und neue Lebensmitteltrends. Denn irgendwie ist das alles miteinander verwoben. Nicht zuletzt bot die #NGF16 auch den Rahmen für das GRIPS & CO-FINALE 2016 der „Rundschau für den Lebensmittelhandel“, zu dem junge Nachwuchskräfte antraten. Für Oecotrophologen, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler lohnt sich ein Blick auf die Entwicklungen und Trends.

Das Wachstum im gesamten Bereich e-Commerce ist stark durch Amazon getrieben. Und spätestens seit Start des Dienstes „Amazon fresh“ hat das Thema Onlinehandel mit Lebensmitteln ein neues Momentum. Was für Kleidung geübter Alltag ist, wird für Lebensmittel kontrovers diskutiert. Zu hoch sei die Dichte der Lebensmittelhändler in Deutschland, als dass praktische Vorteile einer Onlinebestellung überwiegen; so ein Argument. Auch seien das Einkaufserlebnis und die soziale Komponente für Konsumenten wichtig.

Einkaufsverhalten ändert sich radikal

Verglichen mit anderen Fast Moving Consumer Goods (FMCG) ordnet auch Dr. Robert Kecskes, Senior Insight Director bei der GfK, den Onlinehandel mit Lebensmitteln als zartes Pflänzchen ein. Er macht aber auch das Potenzial deutlich, das in den nachrückenden Generationen – Millennials (1982–1996) und die noch jüngeren iBrains (1997–2011) – steckt. Ihr Anteil an den Haushalten in Deutschland ist in den vergangenen vier Jahren um 70 % gestiegen und ihr Kommunikations- und Einkaufsverhalten verändern Gesellschaft und Märkte radikal, so die Prognose der GfK. 80 % der Millennials und fast 100 % der iBrains besitzen ein Smartphone, organisieren damit ihr Sozialleben und tätigen Bestellungen. Sie treiben den e-Commerce voran – wollen aber auf (spezifische) stationäre Handelsformate nicht verzichten. Bei ihnen verwischen die Grenzen zwischen Online- und Offline-Einkauf.

 Y und iBrains: bequem, schnell, bio und nachhaltig soll es sein

Die jungen Generationen bringen konträr wirkende Bedürfnisse zusammen. Sie wünschen sich Convenience, die Zubereitung eines Essens sollte bspw. bequem und schnell möglich sein. Nach Aussage der GfK hätten 42 % der iBrains lieber mehr Zeit als mehr Geld (vs. 19 % Bevölkerung total). Dabei achten Millennials dennoch auf „soziale und nachhaltige Qualitätsmerkmale“ wie Bio, natürliche Inhaltsstoffe, Fair Trade etc. und geben hier für überproportional viel Geld aus. Sie verlangen eine hohe funktionale sowie soziale Qualität – ohne auf Genuss zu verzichten.

Unternehmen sind auf dem Weg

Die Kunden von morgen im Auge, treiben Unternehmen den digitalen Wandel voran. Tina Beuchler, Digital & Media Direktorin bei Nestlé Deutschland, schätzt in ihrer Eröffnungsrede spontan den „digitalen Ladebalken“ bei ca. 8 % ein. Also irgendwo hinter dem Start. Dabei hat das Haus den Onlinehandel in manchen Bereichen bereits in die Produktentwicklung integriert: Formate wie Katzensnacks im Multipack werden exklusiv für Amazon entwickelt und dort vertrieben. Verständnis und Kompetenzen wachsen Schritt für Schritt. Auf Mitarbeiterebene setzt die „Digital Academy“ mit Trainingsprogrammen, Aktionstagen und einem Mentoringprogramm an.

Start up: Ideen brauchen fachlichen Input

Ganz anders die Start up-Szene: Zwei Studenten entdecken im Thailand-Urlaub die Geschmacksvielfalt von Insekten. Das wollen sie auch zuhause essen. Ein Crowdfunding wird online erfolgreich aufgesetzt, um die unzähligen Rezepturversuche und die nötigen Expertisen zu finanzieren. Max Krämer, Begründer und Geschäftsführer der Bugsfoundation, ist sich sicher, dass auch bestehende juristische Hürden bald genommen werden. Mit Kennern aus dem Publikum wird ein fachlicher Austausch nach der Session vereinbart und wahrscheinlich haben die jungen Unternehmer tatsächlich bald ihre Burger an der richtigen Adresse. Auch die Fankurve auf Facebook, Twitter und Instagram ist bereits im Aufbau.

Weitere Impulsgeber zu Lebensmittelkonzepten der Zukunft waren u. a: Vapiano mit einem neuen Glutenfrei-Angebot; Mars Food und die für die kommenden fünf Jahre geplanten Überarbeitungen der Rezepturen zugunsten Gemüse, Getreide und Kräutern und damit weniger Salz und Zucker; Urban-Gardening-Konzepte im Zusammenhang mit Fischzucht.

LOGO #NGF17
Im Herbst 2017 findet die nächste NFG statt. Und, Lust bekommen, mit zu gestalten?


Kerstin Wriedt

Über die Autorin:

Kerstin Wriedt ist Direktorin bei der Hamburger Agentur Cohn & Wolfe. Die VDOE-Vorstandvorsitzende durfte die NGF16 als Teilnehmerin an einem der Foren hautnah erleben.

Kontakt:
kerstin.wriedt@cohnwolfe.com

Kommentar(e) zu “Next Generation Food: Trendveranstaltung der Food-Branche

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