VDOE-Wahlprüfsteine: Die Parteien zum Thema Beruf, Arbeit und Karriere

21. September 2017  |  Autor: (56 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Meinung & Politik, Nachgefragt & Nachgehakt
Schlagwörter: , , , ,

Welche Meinungen haben Parteien zu den berufspolitischen Themen des BerufsVerbandes und denen seiner Mitglieder? Wir haben die Bundestagswahlen 2017 zum Anlass genommen, bei den Parteien nachzufragen und stellen hier unsere Fragen und die Antworten der Parteien in acht Blogbeiträgen vor. Teil 8: Beruf, Arbeit und Karriere: Als Angestellter oder Selbstständiger.

Beruf, Arbeit und Karriere: Als Angestellter oder Selbstständiger

Ein Teil unser Mitglieder und unserer Berufsgruppe arbeitet als Selbstständige. Das sind zum einen Ernährungsberater und -therapeuten, aber auch PR´ler, Fachjournalisten, Unternehmer oder Berater. Im Gegensatz zu anderen Selbstständigen und Freiberuflern z.B. in verkammerten Berufen tragen sie meist allein die Verantwortung für ihre Altersvorsorge, aber auch für die Beiträge in die Kranken- und Pflegeversicherung. Aber auch im Bereich der Angestellten gibt es Fragen für unsere Mitglieder.

Unsere Fragen

  • Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?
  • Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.

  • Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?
  • Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Immer häufiger sind Stellen befristet.

  • Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

VDOE-Material zum Thema

VDOE POSITION 1-2014: Zwischen Kita und Karriere

Die Antworten der Parteien (alphabetisch sortiert):


 

 

 

Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?

Wir wollen dafür sorgen, dass Selbständige künftig vernünftig gegen Krankheit und für das Alter abgesichert sind – zu für sie tragbaren Beiträgen. Eine gesetzliche Rentenversicherung, die alle einbezieht, ist Ausdruck einer solidarischen und inklusiven Gesellschaft. Alle, die sich in einer vergleichbaren wirtschaftlichen Situation befinden, sollten in der Alterssicherung auch gleich behandelt werden. Soziale Sicherung muss man sich leisten können, auch beim Blick in die Geldbörse. Wir wollen Selbständige deshalb bei den Krankenversicherungsbeiträgen deutlich entlasten und nach Wegen suchen, Auftraggeber an den Kosten der sozialen Sicherung zu beteiligen.

Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Bislang nicht obligatorisch abgesicherte Selbstständige wollen wir in den Schutz der Rentenversicherung einbeziehen. Menschen, die den größten Teil ihres Lebens rentenversichert waren, gearbeitet, Kinder erzogen oder andere Menschen gepflegt haben, sollen zudem eine Garantierente erhalten. Die Höhe soll so bemessen sein, dass in der Regel keine Grundsicherung mehr benötigt wird (derzeit rund 930 €). Es soll keine Bedürftigkeitsprüfung geben, betriebliche und private Altersvorsorge nicht angerechnet werden.

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.
Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?

Bisher unterbrechen oder reduzieren meist die Frauen ihre Erwerbstätigkeit zugunsten der Familie, obwohl sich viele Familien eine partnerschaftliche Aufteilung wünschen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf ihr berufliches Fortkommen, auf ihre soziale Absicherung und ihre Rente. Wir wollen, dass Frauen am gesellschaftlichen Wohlstand, am Einkommen und Vermögen gleichberechtigt teilhaben.Dafür muss es v.a. einfacher werden, sich durch Erwerbsarbeit selbst besser abzusichern. Mit guten Angeboten für die Kinderbetreuung, einer Umwandlung der Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, einem Rückkehrrecht auf Vollzeit, einer echten Pflegezeit, einer fairen Abbildung von Pflegezeiten bei der Rente und mit gleichem Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit können wir die Rentenlücke für Frauen mittelfristig schließen.

Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Ja, das Rückkehrrecht auf Vollzeit muss endlich kommen damit v.a. Frauen nicht auf Dauer gegen ihren Willen in der Teilzeit festhängen.

Immer häufiger sind Stellen befristet.
Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Ja. Befristete Arbeitsverhältnisse bedeuten unsichere berufliche Aussichten und erschweren insbesondere jungen Menschen eine langfristige Lebens- und Familienplanung. Prinzipiell können Befristungen sinnvoll sein, um Spitzen im Arbeitsaufkommen abzufedern oder vorübergehend Personal zu ersetzen. Nicht hinnehmbar ist allerdings, wenn sie systematisch eingesetzt werden, um den Kündigungsschutz zu umgehen. Darum sollen Befristungen nach unserer Vorstellung nur noch erlaubt sein, wenn es einen konkreten sachlichen Grund gibt.

 


CDU/CSU Logo

 

Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?
Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Die Weiterentwicklung der Rente nach 2030 soll in einem partei- und fraktionsübergreifenden gesellschaftlichen Konsens unter Einbeziehung der Tarifpartner geregelt werden. Zu diesem Zweck setzen wir eine Rentenkommission ein, die bis Ende 2019 Vorschläge erarbeiten soll. Die gesetzliche Rente soll zentraler Pfeiler der Altersvorsorge bleiben. Daneben sind Betriebsrenten und die private Vorsorge ebenfalls von großer Bedeutung für eine nachhaltige und gute Altersversorgung. Unser Ziel bleibt es weiterhin Altersarmut zu vermeiden. Sollte sich vor dem Jahr 2030 aufgrund der Empfehlungen der Kommission Handlungsbedarf bei der betrieblichen oder privaten Vorsorge ergeben, werden wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen.

Die Kopplung der sozialen Absicherung an abhängige Beschäftigung stößt an ihre Grenzen, wenn der Anteil der Selbstständigen ohne eigene Beschäftigte an den Erwerbstätigen immer weiter steigt. Nicht nur abhängig Beschäftigte sind schutzbedürftig, sondern vielfach auch Selbstständige ohne eigene Beschäftigte (Solo-Selbstständige). Deshalb muss gerade für diese Personen, wenn sie nicht bereits anderweitig abgesichert sind, eine soziale Sicherung entwickelt werden. Dabei sollen sie etwa in der Rente zwischen der gesetzlichen Rentenversicherung und anderen Vorsorgearten wählen können. Wir werden Lösungen entwickeln, die auf bereits heute selbstständig Tätige Rücksicht nehmen, die finanzielle Situation von kleinen Einkommen nicht weiter verschärfen und Selbstständige in der Existenzgründungsphase nicht überfordern.

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.
Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?
Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Familien übernehmen Verantwortung und leisten einen Beitrag zu einer menschlichen und stabilen Gesellschaft und für unsere gemeinsame Zukunft. Dies muss honoriert werden. Seit 2013 haben wir das ElterngeldPlus eingeführt, das Mutterschutzgesetz reformiert sowie Kindergeld und Kinderfreibeträge an die Steigerung der Lebenshaltungskosten angepasst. Wir haben rund 5,3 Milliarden in den Bau und Betrieb von Kindertagesstätten investiert. Noch stärker als bisher wollen wir in den kommenden vier Jahren unsere Förderung auf Familien und Kinder ausrichten. Wir werden die finanzielle Situation junger Familien spürbar verbessern, indem wir den Kinderfreibetrag in zwei Schritten auf das Niveau des Erwachsenenfreibetrags anheben und das Kindergeld entsprechend erhöhen. In einem ersten Schritt werden wir das Kindergeld um 25 Euro je Kind erhöhen. Gleichzeitig wird der Kinderfreibetrag entsprechend erhöht. Auch werden wir ein Baukindergeld von 1200 Euro pro Kind und Jahr für einen Zeitraum von zehn Jahren gewähren. Damit Eltern Wahlfreiheit haben und wieder gut in den Beruf einsteigen können, wurde unter der Regierungsverantwortung von CDU und CSU bereits ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und auf einen Kita-Platz eingeführt. Wir werden deshalb in der kommenden Wahlperiode auch einen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter einführen. Schon heute gibt es für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Um die Rückkehr in berufliche Vollzeit-Arbeit zu erleichtern, wollen wir künftig in Betrieben ab einer bestimmten Größe auch einen Anspruch auf befristete Teilzeit schaffen. Wir werden zügig mit den Sozialpartnern über Art und Inhalt der Regelung sprechen.

Immer häufiger sind Stellen befristet.
Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Befristungen ebenso wie andere Arbeitsformen können Arbeitnehmern als Brücke in den Arbeitsmarkt dienen und verschaffen Unternehmen die nötige Flexibilität. Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt ist wichtig und hat dazu beigetragen, hunderttausende neue Arbeits-plätze zu schaffen. Befristete Arbeitsverhältnisse dürfen unbefristete Arbeitsverhältnisse aber nicht einfach ersetzen. Deshalb werden wir offenkundige Missbräuche abstellen. Ge-rade Berufsanfänger, die eine Familie haben, brauchen eine verlässliche Perspektive.

 


Logo Die Linke

 

 

Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?
Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Um Altersarmut auch bei Selbstständigen und FreiberuflerInnen zu bekämpfen, will DIE LINKE die gesetzliche Rentenversicherung stärken und zu einer echten Erwerbstätigenversicherung umbauen. Alle bisher nicht in einem obligatorischen Altersvorsorgesystem abgesicherten Selbstständigen werden in einem ersten Schritt in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Selbstständige erhalten die Möglichkeit, die Beiträge an ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anzupassen. Es ist eine Minderung der Beitragslasten vorzusehen, wenn es wirtschaftlich nicht gut läuft. Dabei muss jederzeit die erforderliche Liquidität gewährleistet bleiben – und selbstverständlich wollen wir bei der Umsetzung großzügige Übergangsregelung schaffen, wobei bestehende Ansprüche erhalten bleiben. Für niedrige Altersrenten sieht DIE LINKE zudem eine Solidarische Mindestrente von 1050 Euro netto vor. Niemand muss dann im Alter mit weniger Einkommen auskommen, sofern er/sie kein sehr hohes Vermögen hat. Was die Kranken- und Pflegeversicherung angeht, wollen wir die Solidarische Gesundheits- und Pflegeversicherung. Das bedeutet unter anderem, dass alle denselben prozentualen Beitrag ihres tatsächlichen Einkommens zahlen (vgl. https://linksfraktion.de/gesundheitsversicherung). Solange das nicht verwirklicht ist, wollen wir die Mindestbemessung für alle freiwillig Versicherten auf 450 Euro senken, damit auf geringe Einkommen Selbstständiger auch niedrige Beiträge gezahlt werden.

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.
Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?
Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf keine Frage der individuellen Durchsetzungsfähigkeit und der Bereitschaft zum Entgegenkommen der Arbeitgeber sein. Daher wollen wir den Kündigungsschutz für Eltern ausweiten, Berufsrückkehr fördern, ein Rückkehrrecht auf Vollzeit einführen und die Kinderbetreuung ausbauen. Dazu wollen wir die Arbeitszeitmodelle schaffen, die Müttern und Vätern ermöglichen, ihren Beruf mit Familie und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Statt einer Flexibilisierung von Arbeitszeit, die sich lediglich an betrieblichen Erfordernissen orientiert, brauchen die Beschäftigten mehr Zeitautonomie.

Immer häufiger sind Stellen befristet.
Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Es ist dringend erforderlich, die gesetzlichen Grundlagen für Befristungen konsequent einzuengen. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz muss geändert werden. DIE LINKE fordert die Streichung der „sachgrundlosen Befristung“ aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz. DIE LINKE will Befristungen auf ein unvermeidbares Maß reduzieren. Wir verlangen die Streichung des Sachgrundes „Befristung zur Erprobung“. Bei öffentlicher Finanzierung soll die Befristung der Haushaltsmittel kein Grund mehr für die Befristung von Arbeitsverträgen sein. Jeder dritte Vertrag beim gleichen Arbeitgeber muss darüber hinaus ein fester Vertrag sein. Wenn eine Arbeitskraft mehr als zwei Mal einen Vertrag erhält, soll ihr Einsatz als regelmäßig und dauerhaft angesehen werden.

 


Logo FDP

 

 

 

Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?

Kleine Unternehmen, Freiberufler, Solo-Selbständige und Freelancer sind ein wesentlicher Bestandteil unseres erfolgreichen Mittelstands. Diesen Mittelstand wollen wir Freie Demokraten stärken. Unser Berufsleben wird immer bunter. Gerade in der digitalen Arbeitswelt warten viele neue Tätigkeitsfelder und Geschäftsideen. Daher wird sich auch die berufliche Situation vieler Menschen häufiger verändern. Sie können öfter zwischen Anstellung und Selbstständigkeit, Voll- und Teilzeit sowie In- und Ausland wechseln. All das muss ohne Nachteile für die eigene soziale Absicherung möglich sein. Wer etwa aus der Anstellung in die Selbstständigkeit wechseln will, darf bei der Altersvorsorge nicht benachteiligt werden, sondern muss zum Beispiel seine Riester-Förderung behalten können.
Wir Freie Demokraten wollen zudem eine stärkere Rechtssicherheit für Selbsständige schaffen. Denn die bisher angewendeten Negativkriterien im Rahmen des Statusfeststellungsverfahrens der Deutschen Rentenversicherung sind aus der Zeit gefallen und passen nicht mehr auf eine moderne Projekt- und Dienstleistungswirtschaft. Das bisherige Verfahren ist langwierig, im Ergebnis unvorhersehbar und bietet damit weder Verfahrens- noch Rechtssicherheit für die Beteiligten. Für Freiberufler und Selbstständige muss durch Positiv-Kriterien Rechtssicherheit geschaffen werden, indem das Vorliegen eines einzelnen oder einer Kombination von mehreren Kriterien eine Selbstständigkeit sichergestellt nachweisbar macht.

In der Gesetzlichen Krankenversicherung wollen wir die Beitragsbemessung für Selbständige an den tatsächlichen Einnahmen orientieren – alles andere ist unfair. Grundsätzlich sollen bei der Krankenversicherung jede Bürgerin und jeder Bürger frei und unabhängig vom Einkommen wählen können, ob sie oder er sich für den Versicherungsschutz bei der gesetzlichen Krankenversicherung oder bei einem Anbieter der privaten Krankenversicherung entscheidet. Wir Freie Demokraten wollen die Möglichkeiten vereinfachen, zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu wechseln. Hierbei wollen wir die Angebote beider Systeme erhalten und so sicherstellen, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, das für sich und seine Lebensform am besten geeignete Modell zu wählen. Ebenso muss es Rückwege aus der PKV in die GKV geben.

Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Wir Freie Demokraten wollen Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichten und ihnen zugleich ein umfassendes Wahl- und Gestaltungsrecht bei der Vorsorgeform einräumen. Denn zahlreiche Selbstständige haben heute im Alter kein ausreichendes Einkommen. Sie sind auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen, für die die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler aufkommen müssen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollen Selbstständige künftig für eine Basisabsicherung im Alter vorsorgen. Sie soll zu einer Rente führen, die oberhalb des Grundsicherungsniveaus liegt. Alle Selbstständigen, die nicht Pflichtmitglied in einem berufsspezifischen Alterssicherungssystem sind, sollen dabei die Freiheit haben, ihre Vorsorgeform selbst zu wählen. So können sie entscheiden, ob sie privat etwa im Rahmen einer steuerlich geförderten Basisrente oder freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung für das Alter vorsorgen. Die Pflichtversicherung einzelner Selbstständiger in der gesetzlichen Rentenversicherung wollen wir abschaffen. Neben Rentenversicherungsverträgen sollen auch Fonds, Immobilien und Rückstellungen aus dem Betriebsvermögen anerkannt werden. Zusätzlich zu dieser Wahlfreiheit wollen wir weitreichende Übergangsvorschriften und Karenzzeiten für Gründer schaffen, um größtmögliche Eigenständigkeit, Flexibilität und Freiheit der Selbstständigen zu gewährleisten.

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.
Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?

Wer Familienarbeit leistet, hat häufig das Anforderungsprofil eines Managers. Es gilt nicht nur Partnerschaft, Kindererziehung und Haushaltsführung in Einklang zu bringen, sondern eventuell noch einen (bezahlten) Job zu meistern, und alles in Teamwork zu bewältigen. Die notwendigen Rahmenbedingungen, in denen jeder sein Leben nach seinen Wünschen und Bedürfnissen gestalten kann, sind dabei durch die Politik zu gewährleisten.
Wir Freie Demokraten wollen, dass jede Familie passende Rahmenbedingungen vorfindet, um die Vereinbarkeit von erfülltem Familienleben und existenzsichernder Berufstätigkeit zu erleichtern. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Eltern frei entscheiden können, welches Arbeitsmodell sie wählen. Damit Väter und Mütter Beruf und Familie besser vereinbaren können, wollen wir flexible Angebote zur Kinderbetreuung, auch in Betrieben, fördern. Einseitige Modelle, wie die Steuerklasse V, wollen wir abschaffen. Wir fordern einen flexiblen Arbeitsmarkt, der Eltern faire Chancen bietet. Wir setzen wir uns für flexible Arbeitszeitmodelle und digitale Arbeitsplätze ein. So wird zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten möglich, sodass Familie und Job leichter vereinbar sind. Wir wollen Langzeitkonten für Arbeitszeit fördern, um mehr Souveränität in der beruflichen Lebensgestaltung zwischen Beruf und Familie zu ermöglichen und damit insbesondere mehr Luft in der „Rush-Hour“ des Lebens zu schaffen. Ein Langzeitkonto (auch Wertguthaben- oder Zeitwertkonto genannt) funktioniert so: In einer arbeitsintensiven Phase sammeln Arbeitnehmer Überstunden, Boni, Resturlaub und Sonderzahlungen an. Diese werden in ein Wertguthaben auf dem Langzeitkonto umgewandelt. Auch über eine steuerfreie Entgeltumwandlung von Teilen des Gehaltes und Zuschüsse des Arbeitgebers kann man Geld ansparen. Das Langzeitkonto soll unabhängig vom Arbeitgeber werden, damit einfacher als heute übertragbar sein und das Guthaben für alle Formen der Freistellungen genutzt werden können. Bestehende Einschränkungen, etwa in der Kombination mit Elterngeld, sollen beseitigt werden. Seitens der Unternehmen brauchen wir Bürokratieabbau und Vereinfachungen in der Durchführung, etwa bei Berichtspflichten und der Entstehung von Urlaubsansprüchen während der Auszeiten. Zudem sollte es mehr Freiheiten bei der Kapitalanlage geben. Damit schaffen wir mehr Zeitsouveränität und Flexibilität und erleichtern die Umsetzung individueller Vorstellungen in der Lebensführung.

Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Für uns Freie Demokraten ist es die Aufgabe von Arbeitgebern und Gewerkschaften den Arbeitsalltag zu regeln. Ein gesetzliches Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit hat immer zwei Seiten: Für die einen bedeutet sie mehr Planungssicherheit, für die Ersatzarbeitskraft hingegen erhöht sie die Unsicherheit. Befristete Beschäftigungen würden dadurch zwangsläufig steigen. Deshalb muss der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten bei der Förderung der Vollzeiterwerbstätigkeit Vorrang haben.

Immer häufiger sind Stellen befristet.
Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Wir Freie Demokraten verteidigen einen flexiblen Arbeitsmarkt und die Tarifautonomie. Flexibilität am Arbeitsmarkt schafft nicht nur Möglichkeiten zum Einstieg, sondern reduziert auch Arbeitsplatzverluste in Krisen und hat wesentlich dazu beigetragen, die Arbeitslosigkeit zu senken. Wir wollen deshalb die Möglichkeiten zur Befristung erhalten und, wo es sinnvoll ist, weiter entwickeln, beispielsweise um Kettenbefristungen zu vermeiden.

 


 

 

 

Wie bewerten Sie diesen Umstand und welche Überlegungen hat Ihre Partei zu diesem Thema?
Wie möchten Sie Gefahr von Altersarmut bei Selbstständigen begegnen?

Die besondere Situation Selbständiger – gerade auch mit Blick auf deren Altersvorsorge – haben wir im Blick. Die bislang fehlende Verpflichtung zur Altersvorsorge führt für einen Großteil der Selbständigen zu einer inakzeptablen Sicherungslücke. Selbständigkeit ist entsprechend ein eindeutig identifizierbarer Risikofaktor im Hinblick auf eine drohende Altersarmut. Deshalb werden wir dafür sorgen, dass zukünftig Selbstständige, die nicht in einem Versorgungswerk abgesichert sind, in die Solidargemeinschaft der gesetzlichen Rentenversicherung einbezogen werden. Ziel ist es dabei, dass bisher nicht versicherte Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung eine auskömmliche Alterssicherung erreichen. Sie profitieren von allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und beteiligen sich an der solidarischen Rentenversicherung durch eigene Beiträge. Für Neugründungen und Kleinunternehmen wird es Regeln geben, die eine finanzielle Überforderung vermeiden. Die Einbeziehung der bisher nicht versicherten Selbstständigen ist der erste Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel, die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung auszubauen.

Der überwiegende Teil unsere Mitglieder ist weiblich. Teilzeitmodelle sind weit verbreitet.
Sollte aus Ihrer Sicht Familienarbeit honoriert werden und wie könnte das gewährleistet werden?

Wir sorgen dafür, dass Familie, Beruf und Pflege besser zusammengehen. Wir ermöglichen Eltern, berufliche und familiäre Aufgaben gerecht aufzuteilen. Dafür brauchen sie ein gutes Angebot an Kitas und Schulen sowie mehr Zeit und Geld. Wir wollen, dass Familie und Beruf als doppeltes Glück empfunden wird. Viele Eltern wünschen sich, ihre Arbeit und die Kindererziehung partnerschaftlich aufteilen zu können. Bislang heißt das allerdings, finanzielle und berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Das wollen wir ändern! Wir unterstützen Eltern: mit der Einführung der Familienarbeitszeit und des Familiengeldes. Noch ist es so, dass viele junge Väter nach kurzer Elternzeit voll in ihre Jobs zurückkehren. Obwohl die meisten gern etwas weniger arbeiten würden als vorher, um mehr Zeit mit der Familie zu haben. Mütter steigen hingegen oft nach einem Jahr Elternzeit in Teilzeit wieder ein, obwohl sie gern etwas mehr arbeiten würden. Das verhindert nicht nur eine partnerschaftliche Aufteilung der Arbeit und Kindererziehung, sondern hat für Frauen negative Folgen: geringeres Einkommen, schlechtere Aufstiegschancen und später eine geringere Rente.

Als ersten Schritt haben wir bereits das ElterngeldPlus eingeführt, das es Eltern ganz kleiner Kinder leichter macht, Elternzeit und Teilzeitarbeit miteinander zu verbinden. In einem nächsten Schritt werden wir eine Familienarbeitszeit einführen. Wenn beide Eltern ihre Arbeitszeit partnerschaftlich aufteilen, erhalten sie das Familiengeld. Es beträgt jeweils 150 Euro monatlich für beide Eltern, wenn sie jeweils 75 Prozent bis 90 Prozent der jeweiligen regulären Vollzeit arbeiten (das entspricht je nach betrieblicher bzw. tarifvertraglich geltender Vollzeit 26 bis 36 Wochenstunden). Und es wird bis zu 24 Monate gezahlt. Gerade Familien mit kleinen Einkommen sollen sich eine gerechte Aufteilung von Familie und Beruf leisten können.

Zudem wollen wir eine Pflege-Freistellung mit Lohnersatz einführen: Pflegende Angehörige können ihre Arbeitszeit für bis zu drei Monate zum Teil oder vollständig reduzieren und erhalten in dieser Zeit eine Lohnersatzleistung, die sich in Höhe und Umfang am Elterngeld orientiert. Diese dreimonatige Pflege-Freistellung erfolgt als ein weiterer Schritt, nachdem bereits in dieser Legislaturperiode das Pflegeunterstützungsgeld bis zu zehn Arbeitstage für den akut eingetretenen Pflegefall eingeführt wurde. Wer aufgrund der Pflege von Angehörigen seine Arbeitszeit reduzieren möchte, erhält das Familiengeld für Pflege. Es beträgt 150 Euro monatlich. Es wird bei einer in der Regel vollzeitnahen Beschäftigung d.h. bei einer Beschäftigung im Umfang von 26 bis 36 Wochenstunden, für bis zu 24 Monate gezahlt. Zwei Angehörige können das Familiengeld für Pflege und die Lohnersatzleistung in Anspruch nehmen. In der Rentenversicherung werden die Zeiten der Kindererziehung und Pflege bereits seit vielen Jahren anerkannt.

Ergibt aus Ihrer Sicht ein Rückkehrrecht auf eine Vollzeitstelle Sinn?

Ja. Wir wollen das Teilzeit- und Befristungsgesetz reformieren – vor allem hinsichtlich der Regelungen zum Recht auf befristete Teilzeit (Rückkehrrecht zur alten Arbeitszeit). Wir fordern einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit und das Recht auf Rückkehr in vorherige Arbeitszeit. Wer jetzt schon in Teilzeit arbeitet, für den muss es zumindest einfacher werden, wieder in Vollzeit zu kommen. Es gibt Phasen im Leben, in denen viele Menschen weniger arbeiten möchten, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu kriegen. Dafür gibt es seit 17 Jahren das Recht auf Teilzeitarbeit. Wer aber einmal in Teilzeit ist, kommt schlecht wieder raus. Wir wollen, dass die Menschen selbst bestimmen können, wie viele Stunden sie arbeiten können und wollen. Wer in Teilzeit geht, soll später auch wieder in die vorherige Arbeitszeit zurückgehen dürfen. Wir wollen die Teilzeitfalle abschaffen, niemand soll mehr in Teilzeit gefangen sein, obwohl er mehr arbeiten möchte.

Immer häufiger sind Stellen befristet.
Gibt es aus Ihrer Sicht Pläne und Notwendigkeit, an diesem Umstand etwas zu ändern?

Ja. Wir wollen dafür sorgen, dass unbefristete Arbeit, tariflich bezahlt und mit guten Arbeitsbedingungen wieder zum Normalfall machen! Deshalb werden wir die sachgrundlose Befristung abschaffen, um insbesondere jungen Menschen Perspektiven und mehr Planbarkeit für ihr berufliches und privates Leben zu ermöglichen. Die Sachgründe für Befristungen werden wir einschränken und die Möglichkeit von Kettenbefristungen begrenzen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.