VDOE-Wahlprüfsteine: Die Parteien zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement

Welche Meinungen haben Parteien zu den berufspolitischen Themen des BerufsVerbandes und denen seiner Mitglieder? Wir haben die Bundestagswahlen 2017 zum Anlass genommen, bei den Parteien nachzufragen und stellen hier unsere Fragen und die Antworten der Parteien in acht Blogbeiträgen vor. Teil 7: Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist neben dem Arbeits- und Gesundheitsschutz und dem Betrieblichen Wiedereingliederungsmanagement eine zentrale Säule im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM). Betriebe gelten als ideale Settings für die Gesundheitsförderung: Etwa 40 Millionen Menschen in Deutschland sind erwerbstätig und hätten somit prinzipiell Zugang zu Angeboten der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Im Betrieb ergeben sich für Oecotrophologen etc. in Kooperation mit Arbeitsmedizinern, Psychologen bzw. Sportwissenschaftlern wichtige Handlungsfelder im Rahmen einer ganzheitlichen betrieblichen Gesundheitsförderung:

Unsere Fragen

  • Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?
  • Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?
  • Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

VDOE-Material zum Thema

VDOE-POSITION 2-2017: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Die Antworten der Parteien (alphabetisch sortiert):

 

 

 

 

Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?

Prävention und Gesundheitsförderung sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Wir wollen, dass alle geeigneten Ebenen und Berufe einbezogen werden. Dies gilt im Übrigen auch speziell für die betriebliche Gesundheitsförderung.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?

Die Mehrzahl der Beschäftigten arbeitet in Betrieben kleiner und mittlerer Größe. Deswegen ist es für uns von großer Bedeutung, dass bei der betrieblichen Gesundheitsförderung die spezifischen Gegebenheiten in KMU beachtet werden. Es gibt hierzu bereits eine Reihe von guten Ansätzen. Diese müssen jedoch noch besser verbreitet werden, damit alle Beteiligten davon lernen können.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Aus unserer Sicht muss die Wirksamkeit bestehender Ansätze zur betrieblichen Gesundheitsförderung überprüft werden, um von guten Instrumenten zu lernen und weniger gute zu beenden. Neue Ansätze sollten wissenschaftlich begleitet werden.

 


CDU/CSU Logo

 

Wir wollen die Bereitschaft zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen stärken. Es ist wichtig, dass sie die vielfältigen Möglichkeiten besser kennenlernen und nutzen. Dazu haben wir in dieser Legislaturperiode die Krankenkassen mit dem Präventionsgesetz verpflichtet, Unternehmen unter Nutzung bestehender Strukturen in gemeinsamen regionalen Koordinierungsstellen Beratung und Unterstützung anzubieten. Die Beratung und Unterstützung umfasst insbesondere die Information über Leistungen zur Gesundheitsförderung und die Klärung, welche Krankenkasse im Einzelfall diese Leistungen im Betrieb erbringt. Örtliche Unternehmensorganisationen sollen an der Beratung beteiligt werden. Die Landesverbände der Krankenkassen und die Ersatzkassen regeln einheitlich und gemeinsam das Nähere über die Aufgaben, die Arbeitsweise und die Finanzierung der Koordinierungsstellen sowie über die Beteiligung örtlicher Unternehmensorganisationen durch Kooperationsvereinbarungen.

 


Logo Die Linke

 

 

Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?

Hierzu hat DIE LINKE keine Position.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?

Jeder dritte Arbeitnehmer leidet dauerhaft unter Stress; die Fehltage wegen psychischer Belastungen und Erkrankungen haben sich seit 1997 verdreifacht, und die Hälfte aller krankheitsbedingten Frühverrentungen geht auf psychische Erkrankungen zurück. Druck und Angst gehören mittlerweile leider bei vielen Beschäftigten zum Arbeitsalltag. Es ist höchste Zeit für eine Anti-Stress-Verordnung, und die wöchentliche Höchstarbeitszeit muss auf 40 Stunden begrenzt werden. DIE LINKE schlägt vor, die Mitbestimmung bei Arbeitszeiten und Zielvereinbarungen zu stärken, und eine wirksame Anti-Stress-Verordnung gesetzlich durchzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen lehren: Längst nicht überall gelten gewerkschaftlich ausgehandelte Tarifverträge und zu viele Unternehmen ignorieren die Ernsthaftigkeit des Problems nach wie vor. Deshalb ist es dringend notwendig, dass der Gesetzgeber flächendeckende, allgemeingültige Mindeststandards regelt und vorgibt. Wenn Unternehmen darüber hinausgehende Regelungen treffen wollen, wäre das zu begrüßen.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Eine regelmäßige, systematische, möglichst umfassende und unabhängige Bestandsaufnahme über die gesundheitliche Situation und die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit der Beschäftigten ist eine wichtige Grundlage auch für den politischen Entscheidungsprozess. Gleiches gilt für die Beurteilung der Wirksamkeit der verschiedenen Methoden in der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

 


Logo FDP

 

 

 

Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?

Die richtige Adresse für dieses Anliegen sind aus unserer Sicht die gemäß Präventionsgesetz erstellten und fortzuschreibenden Rahmenpläne der Nationalen Präventionskonferenz beziehungsweise die Entsprechungen in den Ländern. Wir Freie Demokraten sehen dies als einen wichtigen Handlungsbereich an, der zusätzlich durch gezielte Forschung unterstützt werden muss.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?

Wir Freie Demokraten möchten hier die Möglichkeiten nutzen, die die Ansätze des Präventionsgesetzes bieten. Der Auftrag, gesundheitliche Prävention in die Lebenswelten zu transportieren, erfasst selbstverständlich auch die Arbeitswelt. Damit sind auch die Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen als Ziegruppe angesprochen. Die bereits bestehenden Erkenntnisse müssen ausgebaut und leichter handhabbar gemacht werden. Den Unternehmen muss deutlicher werden, dass BGF auch betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, weil eine gesündere Belegschaft motivierter, leistungsfähiger und seltener arbeitsunfähig erkrankt ist.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sehen wir Liberale es als besonders wichtig an, die Zusammenhänge zwischen gezielter und gesundheitsbewusster Ernährung und den für die Betriebe bedeutsamen Faktoren zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit deutlicher und nachvollziehbar herauszuarbeiten und ein handhabbares und bewertbares Instrumentarium zu entwickeln.

 


 

Was möchte Ihre Partei tun, um die Betriebliche Gesundheitsförderung weiter als Berufsfeld für Oecotrophologen und Co. zu stärken?

Unsere Gesellschaft steckt mitten im demografischen Wandel. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weniger Jüngeren gegenüber. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden älter. Gleichzeitig nehmen chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden und Diabetes zu. Veränderungen in der Arbeitswelt wie die stetige Digitalisierung und die damit verbundene Flexibilisierung sowie wachsende Leistungsanforderungen führen zu mehr psychischen Erkrankungen. Die Ernährungssituation vieler Berufstätiger ist nicht optimal. All das stellt auch die betriebliche Gesundheitsförderung vor große Herausforderungen. Deshalb ist die Förderung der Gesundheit im Betrieb auch ein Schwerpunkt des Präventionsgesetzes gewesen.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass auch die Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen und Institutionen Chancen auf die Inanspruchnahme von BGF haben?

Mit dem Präventionsgesetz haben wir die Rahmenbedingungen für die betriebliche Gesundheitsförderung gerade für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen verbessert. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Betriebe eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur entwickeln, die alle Altersgruppen einbezieht, und Arbeitsplätze so gestalten, dass sie den Bedürfnissen von älter werdenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entsprechen. Das erfordert bedarfsgerechte und wirksame betriebliche Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der körperlichen und psychischen Gesundheit. Diese Anforderungen stellen insbesondere Kleinstunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen vor Herausforderungen. Mit dem Präventionsgesetz haben wir die Krankenkassen deshalb verpflichtet, ihr Engagement auszuweiten und mindestens zwei Euro jährlich je Versicherten für Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung ausgeben. Für die betriebliche Gesundheitsförderung bieten die Krankenkassen den Unternehmen unter Nutzung bestehender Strukturen in gemeinsamen regionalen Koordinierungsstellen zusätzlich Beratung und Unterstützung an. Wir erwarten von den mit dem Präventionsgesetz getroffenen Regelungen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kleinstunternehmen sowie von kleinen und mittleren Unternehmen zukünftig stärker von betrieblicher Gesundheitsförderung profitieren.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Wir wissen vergleichsweise viel über die Entstehung und Vermeidung von konkreten Krankheiten, aber noch zu wenig über den Erhalt oder die Wiederherstellung von Gesundheit. Wir brauchen mehr wissenschaftliche Evidenz darüber, unter welchen Bedingungen Menschen gesund bleiben oder sich von Krankheiten erholen oder welche Bedingungen Gesundheit im Betrieb fördern oder hemmen, damit der Betrieb als eine gesundheitsfördernde Lebenswelt besser gestaltet werden kann. Die SPD sieht hier einen ressortübergreifenden Forschungsschwerpunkt.

 

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