VDOE-Wahlprüfsteine: Die Parteien zum Thema Ernährungs- und Verbraucherbildung

15. September 2017  |  Autor: (56 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Lehre & Lernen, Meinung & Politik, Nachgefragt & Nachgehakt
Schlagwörter: , , , ,

Welche Meinungen haben Parteien zu den berufspolitischen Themen des BerufsVerbandes und denen seiner Mitglieder? Wir haben die Bundestagswahlen 2017 zum Anlass genommen, bei den Parteien nachzufragen und stellen hier unsere Fragen und die Antworten der Parteien in acht Blogbeiträgen vor. Teil 4: Ernährungs- und Verbraucherbildung.

Ernährungs- und Verbraucherbildung

In jüngster Zeit wurde häufig die Einführung des Fachs Ernährung in Schulen gefordert. Dies begrüßen wir grundsätzlich. Aber unserer Sichtweise nach sollte es inhaltlich nicht allein auf Verbrauch bzw. Konsum und Ernährung reduziert sein, auch Produktion und Wertschöpfung (von der landwirtschaftlichen Urproduktion bis zur Verarbeitung durch Verbraucher in privaten Haushalten) sollten einbezogen werden. Verbraucher- und Ernährungsbildung, d.h. Kenntnis über Lebensmittel(-beschaffung) kann nur umgesetzt werden, wenn das Wissen umfassend, aktuell, fachwissenschaftlich und didaktisch kompetent vermittelt wird. Wie die Studie „Ernährung in der Schule“ (EiS) der Universität Paderborn zeigte, wird das Fach jedoch überdurchschnittlich häufig nicht von Fachkräften unterrichtet. Zudem haben die Ausbildungsfächer für diese Lehrkräfte an den Universitäten abgenommen. Ihr weiterer Erhalt und Ausbau sollte unbedingt gefördert werden.

Unsere Frage:VDOE-Wahlprüfsteine

Wie möchte Ihre Partei sich für die Etablierung eines Faches Ernährungs- und Verbraucherbildung einsetzen?

VDOE-Material zum Thema:

Die Antworten der Parteien (alphabetisch sortiert):

 

 

 

 

Gute Ernährung beginnt bei den Kleinsten. Deswegen wollen wir gemeinsam mit den Ländern erreichen, dass Ernährungs- und Verbraucherbildung zum festen Bestandteil des Schulunterrichts wird. Wir sehen Ernährungsbildung als Querschnittaufgabe, die in unterschiedlichen Fächern und auch außerhalb des Fachunterrichts erfüllt werden soll. Bestandteil sollten auch praktische Erfahrungen der Kinder sein – im eigenen Schulgarten, beim gemeinsamen Zubereiten von Essen oder beim Besuch eines Bauernhofs oder eine Bäckerei. Wir werden uns dafür einsetzen, die Ausbildungsordnungen für pädagogische Fachkräfte entsprechend anzupassen und Aspekte der Gesundheitsförderung und –prävention sowie der Ernährungsbildung stärker zu verankern.

 


CDU/CSU Logo

 

CDU und CSU plädieren dafür, dass Ernährungs- und Verbraucherbildung in allen Bundesländern einen Platz im Unterricht bekommt. Hierzu sollten die Länder einen verbindlichen Kern von Fachinhalten erarbeiten und untereinander abstimmen. Die konkrete Umsetzung ist Sache der Länder. Vielfach sind Ernährung und Lebensmittel schon heute Thema in Kindergärten und Schulen. Von Bundesseite bietet das neu gegründete Bundeszentrum für Ernährung unterrichtsbegleitende Materialien zur Ernährungsbildung in Schulen an – evaluiert und pädagogisch fundiert. Damit unterstützt die unionsgeführte Bundesregierung die Länder und leistet einen Beitrag zur Etablierung der Ernährungsbildung in den Schulen und zu ihrer Qualitätssicherung. Zur Qualitätssicherung gehören natürlich auch vor allem die Vermittlung von Ernährungserziehung und Alltagsökonomie in der Lehrerausbildung und der Einsatz von Fachkräften im Unterricht. Oecotrophologen sind dafür prädestiniert.

Bei der Ernährungsbildung sollte Wissen über Inhaltsstoffe, Qualität, Herkunft, Verarbeitung und auch über die richtige Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln vermittelt werden. Da Schüler heute meist nur wenig darüber wissen, wo die Lebensmittel herkommen und wie die Landwirtschaft arbeitet, sollte auch dies im Unterricht vermittelt werden. Jeder Schüler sollte mindestens einmal einen Bauernhof besucht haben.
Bei Ernährungs- und Verbraucherthemen kommt es auch darauf an, dass sie lebensnah vermittelt und im Schulalltag erfahrbar gemacht werden. Ernährungsbildung soll deshalb optimalerweise in Schulküchen und Schulgärten praktisch umgesetzt werden können. CDU und CSU ist es wichtig, dass gerade Verbraucherbildung wertorientiert vermittelt wird und ethische Aspekte des Konsums, Nachhaltigkeit und Lebensmittelverschwendung zur Sprache kommen. Jugendliche sollen die Fähigkeit entwickeln, die Folgen ihres Konsumverhaltens abzuschätzen.

 


Logo Die Linke

 

 

DIE LINKE ist der Auffassung, dass die Verbraucherbildung in den Schulalltag und die jeweiligen Schulfächer integriert werden soll. Hinsichtlich der Ernährungsbildung halten wir es für notwendig, diese praxisnah und durch eigenes Erleben mit der Verpflegung in Schulen und Kitas zu verknüpfen. DIE LINKE will, dass täglich frisch in den Einrichtungen mit Zutaten aus der Region und unter Beteiligung der Kinder gekocht wird. Wer viel über die Herkunft und Zusammensetzung der Lebensmittel weiß und bei der Zubereitung der Mahlzeiten mitmacht, hat auch Lust auf gemeinsames Essen und gesunde Ernährungsstile. Kinder und Jugendliche müssen in die Planung, Zubereitung und anschließende Bewertung der Mahlzeiten einbezogen und Mitbestimmungsmöglichkeiten auf Augenhöhe geschaffen werden.

 


Logo FDP

 

Unser Leitbild für den Verbraucherschutz sind gut informierte, mündige Verbraucherinnen und Verbraucher. Dazu gehört eine umfassende Verbraucherbildung sowie Aufklärung und der öffentliche Zugang zu Informationen. Mit unserer Verbraucherschutzpolitik setzen wir auf eine Stärkung der Verbraucherinnen und Verbraucher im Markt und auf ihre frühzeitige Aufklärung und Sensibilisierung. Ernährungsbildung muss Wissen über gesunde Ernährung vermitteln, um die Menschen stark zu machen, ihre eigenen Interessen gegenüber den selbst ernannten Experten und Ernährungsgurus zu behaupten. Ernährungsbildung muss bereits im Kindergartenalter beginnen und in der Schule fortgesetzt werden. Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte brauchen entsprechende Qualifizierung. Bildungspläne sind allerdings Ländersache. Wir Freie Demokraten befürworten eine fächerübergreifende Verankerung des Themas „Ernährung“ in den Bildungskonzepten und Lehrplänen.

 


 

Die SPD will, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich gesund zu ernähren. Dabei setzen wir auf Qualitätsstandards, Transparenz, leicht verständliche Kennzeichnungen wie die Nährwert-Ampel und eine klare Herkunftskennzeichnung. Alle Kinder und Jugendlichen brauchen eine gesunde Ernährung. Wir wollen insbesondere auch mit unserer Bildungspolitik dazu beitragen, jungen Menschen einen differenzierten Blick auf das eigene Leben sowie die sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen und historischen Zusammenhänge unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Die konkrete Gestaltung von Lehrplänen und Unterrichtsinhalten liegt in der Verantwortung der Kultusministerien der Länder, so auch die Frage nach der Etablierung eines Faches Ernährungs- und Verbraucherbildung bzw. die Stärkung dieser Themen im Unterricht.

Mit einer Nationalen Bildungsallianz starten wir eine Bildungsoffensive für bessere Schulen und gebührenfreie Bildung – von der Kita bis zur Hochschule. Überall wo es sinnvoll ist, soll der Bund helfen dürfen, Bildung besser zu machen. Für uns bieten aus Bundessicht gute Ganztagsschulen mehr Raum und Zeit für das gemeinsame Lernen und die ausführliche Behandlung komplexer Sachverhalte, wie zum Beispiel auch die Ernährungs- und Verbraucherbildung. Die SPD wird deshalb dafür sorgen, dass der Bund bis 2021 mindestens 12 Milliarden Euro für bessere Schulen bereitstellt. Für Chancengleichheit und mehr Zeit für Bildung werden wir für 1 Million zusätzliche Plätze in Ganztagsgrundschulen plus Rechtsanspruch für jedes Kind sorgen. Zudem wollen wir künftig dafür sorgen, dass die Lehrpläne der Bundesländer vergleichbarer werden und ein Umzug Familien nicht ins Chaos stürzt. Wir sorgen für gut ausgerüstet Klassenzimmer, barrierefreie Gebäude und moderne Ausstattung, auch mit digitaler Technik.

Um die Qualität des Unterrichts an sich zu verbessern, wollen wir darüber hinaus auch den Austausch von guten Konzepten fördern und dies durch begleitende Bildungsforschung unterstützen und dafür sorgen, dass es endlich bundesweit mehr gemeinsame Bildungsstandards gibt. Schule braucht gutes Lern- und Lehrmaterial, das die Lebensrealität und die Vielfalt von Lebensmodellen altersgerecht abbildet. Auch die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte wollen wir entsprechend stärken, denn Lehrerinnen und Lehrer müssen sich immer wieder auf neue Herausforderungen einstellen. Hierzu wollen wir auch die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern fortsetzen und weiterentwickeln.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.