VDOE-Wahlprüfsteine: Die Parteien zum Thema Präventionsgesetz

Welche Meinungen haben Parteien zu den berufspolitischen Themen des BerufsVerbandes und denen seiner Mitglieder? Wir haben die Bundestagswahlen 2017 zum Anlass genommen, bei den Parteien nachzufragen und stellen hier unsere Fragen und die Antworten der Parteien in acht Blogbeiträgen vor. Teil 6: Präventionsgesetz.

Präventionsgesetz

Wir begrüßen die Verabschiedung des Präventionsgesetzes. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, um die Prävention und die Gesundheitsförderung zu stärken und haben daher im Prozess aktiv mitgearbeitet. Oecotrophologen etc. sind prädestiniert hier Führungsaufgaben zu übernehmen und viele KollegInnen arbeiten in entsprechenden Intuitionen am Thema. In der Praxis zeigt sich nun, dass es aber speziell für Selbstständige im Bereich Ernährungsbildung bzw. /-beratung mit Herausforderungen verbunden ist, sich hier beruflich stärker zu etablieren. So sind bei der zentralen Prüfstelle ZPP beispielsweise die bürokratischen Hürden für die Eintragung von Präventionskursen hoch, gleichzeitig beobachten wir Gedanken um eine Aufweichung von Kriterien bei der Anbieterqualifikation.

Unsere Fragen

  • Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?
  • Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?
  • Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

VDOE-Material zum Thema

VDOE POSITION 4-2015: Oecotrophologen in der Prävention

Die Antworten der Parteien (alphabetisch sortiert):


 

 

 

Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?

Prävention und Gesundheitsförderung sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Daher setzen wir uns dafür ein, dass zur Finanzierung auch Bund und Länder sowie andere Sozialversicherungsträger beitragen. Darüber hinaus ist Prävention nicht nur die Aufgabe von Ärztinnen und Ärzte, sondern auch von anderen Gesundheitsberufen. Sie sollten ebenfalls einbezogen werden. Wir sehen Gesundheitsförderung und Prävention als guten Mix zwischen verhaltens- und verhältnisbezogenen Ansätzen. Insgesamt muss das Ziel sein, dass allen Menschen unabhängig von Einkommen, Geschlecht, Herkunft oder Bildungsstand ein gesundes Leben ermöglicht wird.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?

Es muss sichergestellt sein, dass Angebote für Präventionsleistungen einen Nutzen haben und qualitativ hochwertig sind. Wir erwarten, dass die Anforderungen die Anbieter nicht überfordern und sinnvolle Angebote nicht ausgebremst werden.

Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

Prävention ist nicht allein eine ärztliche Aufgabe. Wir wollen, dass auch andere Gesundheitsberufe – wie auch die OecotrophologInnen – in die Prävention einbezogen werden.

 


CDU/CSU Logo

 

 

Mit dem Präventionsgesetz stärken CDU und CSU die Gesundheitsförderung direkt im Lebensumfeld – in der Kita, der Schule, am Arbeitsplatz und im Pflegeheim. Außerdem werden die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterentwickelt, und der Impfschutz wird verbessert. Ziel ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen. Das Präventionsgesetz stärkt die Grundlagen für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung – für alle Altersgruppen und in vielen Lebensbereichen. Denn Prävention und Gesundheitsförderung sollen dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Wir werden die Auswirkung des Präventionsgesetzes evaluieren und gegebenenfalls nachsteuern. Dazu werden wir uns mit den maßgeblichen Verbänden austauschen und abstimmen.

 


Logo Die Linke

 

 

Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?

DIE LINKE hat es grundsätzlich begrüßt, dass nun endlich ein Präventionsgesetz verabschiedet wurde. Allerdings sehen wir, dass das Gesetz weiterhin stark in der Logik der Eigenverantwortung verhaftet bleibt. Die Einflussnahme auf das individuelle Verhalten steht im Vordergrund, während die Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen zwar genannt, aber nicht ausreichend untersetzt wird. Wir befürchten, dass das Präventionsstärkungsgesetz auch bei Kindern und Jugendlichen nur einen geringen Beitrag zur Verringerung sozial bedingter gesundheitlicher Ungleichheit leisten wird. Wir fordern daher eine neue Präventionsstrategie in der kommenden Legislaturperiode, die der Bedeutung und der Tragweite der Gesundheitsförderung gerecht wird.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?

DIE LINKE fordert für alle Leistungen im Rahmen der GKV hohe Qualitätsstandards. Maßnahmen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist oder die nicht in der erforderlichen Qualität erbracht werden, bringen nicht nur gesundheitliche Risiken mit sich, sondern bedeuten eine Verschwendung von Versichertengelder. Qualität ist also auch ein Aspekt des Solidarsystems. In diesem Sinne wollen wir auch für die Ernährungsberatung /-therapie Qualitätsanforderungen, die nahelegen, dass der in Studien festgestellte Nutzen auch in der Praxis erwartet werden kann. Die bürokratischen Hürden sollten so niedrig wie möglich gehalten werden, dass das genannte Ziel erreicht wird.

Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

Prävention als Teil der Gesundheitspolitik dient den Patientinnen und Patienten sowie der öffentlichen Gesundheit. Wenn für die Ernährungsberatung und -therapie ein präventiver Nutzen nachweisbar ist – das muss fachlich auf Basis aussagefähiger Studien erfolgen – setzt sich DIE LINKE für die Regelerstattung in der GKV ein. Diese würde den Oecotrophologinnen und Oecotrophologen ein weiteres attraktives Geschäftsfeld eröffnen.

 


Logo FDP

 

 

Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?

Wie schon in anderen Antworten spezifischer ausgeführt, sehen wir Freie Demokraten es in der nächsten Legislaturperiode als notwendig an, das Präventionsgesetz umzusetzen und vor allem mit Leben zu füllen. Dazu gibt es viel Handlungsbedarf, unter anderem muss die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in die Lage versetzt werden, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Das ist faktisch noch immer nicht geschehen. Die Ansätze, bestimmte Handlungsfelder zu identifizieren und mit konkreten Programmen zu versehen, sind ebenfalls noch nicht weit gediehen. Wir unterstützen die Ansätze des Präventionsgesetzes und sehen zunächst einmal keinen gesetzlichen Korrekturbedarf.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?

Die Qualität muss aus unserer Sicht vor allem im Bereich der Selbstverwaltung durch klare Anforderungen auf der Seite der Leistungsträger gesichert werden, auf der anderen Seite müssen die Leistungserbringer ihre Berufsbilder klar regeln und mit eindeutigen Qualitätsmerkmalern unterlegen. Wir Freie Demokraten unterstützen dies schon aus Gründen des Verbraucher- und Patientenschutzes.

Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

Für uns Freie Demokraten ist völlig klar, dass der Auftrag aus dem Präventionsgesetz, Prävention in die Lebenswelten zu transportieren, der Bereich der Ernährung und der Ernährungsbildung eines der markanten Tätikeitsfelder darstellen muss. Gerade wir Liberalen wollen erreichen, dass die Menschen in diesem Bereich bereits früh geschult werden, um informiert und bewusst ihre selbständigen Entscheidungen treffen zu können. Dafür brauchen wir dringend die Fachkunde der Ökotrophologie.

 


 

 

Welcher Handlungsbedarf besteht auch in der nächsten Legislaturperiode beim Thema Prävention?

Seit vielen Jahren setzt sich die SPD dafür ein, dass Gesundheitsförderung und Prävention systematisch in die bestehende Gesundheitsversorgung eingebunden und deren Finanzierung ausreichend und langfristig gesichert wird. Mit dem Gesetz zur Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention haben wir in dieser Legislaturperiode einiges dazu erreicht. Wir haben nicht nur dafür gesorgt, dass Krankenkassen deutlich mehr finanzielle Mittel für Primärprävention verwenden müssen, sondern beispielsweise auch einen besonderen Fokus auf gesunde Ernährung und Bewegungsförderung gelegt. Durch die nun für die Kranken- und Pflegekassen gesetzlich verbindlichen Gesundheitsziele, die in verschiedenen Bereichen auch gesunde Ernährung und Bewegungsförderung umfassen, und die Anhebung der Ausgabensätze für Gesundheitsförderung und Prävention insgesamt wird es hier zusätzliche Unterstützung geben. Die weitere Ausgestaltung liegt jetzt in der Verantwortung der Länder und Kassen. Wir haben auf Bundesebene weiter daran zu arbeiten, dass Prävention und Gesundheitsförderung stärker als bisher als ressortübergreifende Aufgabe in der Bundespolitik wahrgenommen werden. Gesunde Ernährung spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle. Die Finanzierung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention sollte gebündelt, Kooperation verbindlicher gemacht, Parallelstrukturen abgebaut, Qualität entwickelt und gesichert und in Forschung intensiviert werden.

Wie möchten Sie gewährleisten, dass einerseits die Qualität der Anbieter im Bereich Prävention gewährleistet ist, andererseits die bürokratischen Hürden nicht zu hoch sind?

Präventionskurse und die Qualifikation der Anbieter werden von der Zentralen Prüfstelle Prävention der Kooperationsgemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen zertifiziert. Das dient der einheitlichen Prüfung deutschlandweit, der einheitlichen Anwendung von Prüfkriterien und der Feststellung der Konformität der Präventionskurse mit dem Leitfaden Prävention des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Wir sorgen dafür, dass Qualitätssicherung und bürokratischer Aufwand in einem angemessenen Verhältnis stehen. Durch die zentrale Prüfung ist der Aufwand aber bereits reduziert worden.

Welche Ideen haben Sie, damit die Prävention als Berufsfeld für unsere Berufsgruppe attraktiv bleibt?

Die SPD richtet ihr gesundheitspolitisches Handeln zuerst an den Interessen der Versicherten und Patientinnen und Patienten aus. Wir wollen, dass alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Wohnort, sozialer Herkunft, Art oder Schwere der Erkrankung gleichberechtigten, diskriminierungsfreien, barrierefreien und bedarfsorientierten Zugang zu den Leistungen unseres Gesundheitssystems haben. Unser zentrales gesundheitspolitisches Ziel ist es, in der Gesundheitsförderung, der Prävention und in allen medizinischen und pflegerischen Versorgungsbereichen ungleiche Gesundheitschancen zu erkennen und abzubauen. Durch gezielte und zielgruppenspezifische Prävention und Gesundheitsförderung können die Gesundheit, Lebensqualität, Mobilität und Leistungsfähigkeit der Menschen über alle Lebensphasen hinweg verbessert und erhebliche Folgekosten gespart werden. Davon profitiert nicht nur jede und jeder Einzelne, sondern die Gesellschaft insgesamt.

 

 

 

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