VDOE-Wahlprüfsteine: Die Parteien zum Thema Versorgungsmanagement und Vermeidung von Mangelernährung

Welche Meinungen haben Parteien zu den berufspolitischen Themen des BerufsVerbandes und denen seiner Mitglieder? Wir haben die Bundestagswahlen 2017 zum Anlass genommen, bei den Parteien nachzufragen und stellen hier unsere Fragen und die Antworten der Parteien in acht Blogbeiträgen vor. Teil 3: Herausforderung durch und für eine alternde Gesellschaft: Versorgungsmanagement und Vermeidung von Mangelernährung.

Herausforderung durch und für eine alternde Gesellschaft: Versorgungsmanagement und Vermeidung von Mangelernährung

Die Gesellschaft altert. Dies bringt große Herausforderungen für die Versorgung von Menschen in Privathaushalten und Einrichtungen mit sich. Die Versorgungssituation von älteren Menschen ist geprägt von vielen unterschiedlichen Fragestellungen, die mehr beinhalten als eine beispielsweise reine medizinische, ernährungs- oder pflegewissenschaftliche Sichtweise. Interdisziplinäres Versorgungsmanagement ist gefragt. Stichworte sind die Vermeidung von Mangelernährung, die Überschaubarkeit haushaltsnaher Dienstleistung, der Zugang zu Präventionsangeboten für einen „Gesundheit erhaltenen Lebensstil sowie das selbstbestimmte Leben im häuslichen oder stationären Umfeld. Die für das Gelingen nötige interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert ein geeignetes Schnittstellenmanagement, für das Oecotrophologen, Ernährungswissenschaftler einschließlich vergleichbarer Studienabschlüsse durch ihre multi-disziplinäre akademische Ausbildung hervorragend qualifiziert sind. In Institutionen mit stationärer Versorgung wie Krankenhäusern, Reha- und Altenpflegeeinrichtungen nehmen sie daher am häufigsten leitende Positionen ein oder verantworten Hauswirtschaft, Diätküche oder Hygienemanagement. Ebenfalls gut vertreten ist unser Berufsstand in der Ausbildung, bzw. Fortbildung und Schulung von Pflege- und Hauswirtschaftsberufen. Kaum etabliert hat sich hingegen hier die dringend erforderliche Ernährungsberatung/-therapie, sowohl im ambulanten, als auch im stationären Setting – trotz der hohen Prävalenz von Fehl- und Mangelernährung.

Unsere Fragen

  • Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?
  • Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?
  • Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

VDOE-Material zum Thema

Die Antworten der Parteien (alphabetisch sortiert):

 

 

 

 

Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?

Gerade mit Blick auf einen wachsenden Anteil älterer Patientinnen und Patienten werden Kooperation und Vernetzung in unserem Gesundheitswesen immer wichtiger. Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Pflegekräfte, therapeutische und ärztliche Berufe auf Augenhöhe zusammenarbeiten können. Wir wollen Anreize schaffen, damit die Versorgung besser verzahnt wird und Brüche zwischen ambulanter und stationärer Versorgung vermieden werden. Wir wollen erreichen, dass der Gesundheitsnutzen der Patientinnen und Patienten im Vordergrund steht und aus der reinen Krankenversorgung eine echte Gesundheitsversorgung wird.

Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?

Die Förderung der Ernährungskompetenz ist Teil der Gesundheitsförderung. Sie muss aus unserer Sicht in den Lebenswelten der Menschen verankert werden, also dort, wo die Menschen wohnen, wo sie zur Kita oder zu Schule gehen, wo sie arbeiten. Auch Gesundheitsberufe sollten hier einbezogen werden.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Aus unserer Sicht muss weiter daran geforscht werden, wie gelingende Prävention und Gesundheitsförderung ausgestaltet werden muss und ob bereits bestehende Präventionsangebote und –instrumente die angestrebten Ziele erreichen.

 


CDU/CSU Logo

 

 

Die CDU und CSU wollen, dass auch in Zukunft jeder in Deutschland – unabhängig von seinem Einkommen, Alter, Wohnort oder gesundheitlichen Zustand – Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung hat. Der weitere Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen verlangt Anstrengungen aller Beteiligten. Durch eine bessere Vernetzung aller an der Versorgung Beteiligten werden wir dafür sorgen, dass aus vielen guten medizinischen und pflegerischen Einzelleistungen stets auch eine gute Mannschaftsleistung wird. Gerade die Versorgung älterer, oft mehrfach und chronisch erkrankter Menschen erfordert dies. Um eine gute Versorgung sicher zu stellen, setzen wir auf qualifizierte interdisziplinäre Teams, in denen auch die Oecotrophologen einen angemessenen Platz haben. Wir werden eine „Konzertierte Aktion Pflege“ ins Leben rufen und dabei alle an der Versorgung Beteiligten einbeziehen. CDU und CSU wollen auch die bewährten Seniorenmaßnahmen des nationalen Aktionsplans „IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ weiterführen und weiterentwickeln. Auch hierbei gibt es viele Möglichkeiten für qualifizierte Oecotrophologen.

Gesundheitsforschung ist einer der Schwerpunkte der Forschungspolitik der unionsgeführten Bundesregierung. In der nächsten Wahlperiode sollen zusätzlich 3 Milliarden Euro für die bessere Erforschung u. a. von Krebs und Demenz ausgegeben werden. Darüber hinaus werden wir weitere Deutsche Zentren für Gesundheit ins Leben rufen. Wir wollen eine bessere Vernetzung von Forschung, Lehre und Anwendung. Handlungs- und Forschungsbedarf sehen wir im Bereich einer besseren und ganzheitlichen Versorgung chronisch kranker und älterer Menschen, zu der auch Ernährung zählt. Mit einem Innovationsfonds werden wir zukunftsweisende Versorgungsformen und die Verzahnung unterschiedlicher Gesundheitsberufsgruppen fördern.

Die Ernährungsforschung wird weiterhin eine Rolle in der Hightech-Strategie spielen. Es befinden sich vier Cluster zur Ernährungsforschung im Aufbau, die Themen wie „Gesund ein Leben lang“ und „Ernährung im Alter“ bearbeiten. Zur Erforschung von Volkskrankheiten ist zudem eine Langzeitstudie, die sog. Nationale Kohorte, angelaufen. 200.000 rein zufällig ausgesuchte Menschen werden anhand von entsprechender Diagnostik über zehn Jahre lang beobachtet. Mit dieser Studie sollen sich auch Korrelationen zwischen Gesundheit und Ernährung herausfiltern lassen.

 


Logo Die Linke

 

 

Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?

DIE LINKE ist der Meinung, dass das Thema Mangelernährung unbedingt in den Fokus der Politik gerückt werden muss. Es muss auf die speziellen Bedürfnisse bei der Essenversorgung der Seniorinnen und Senioren Rücksicht genommen werden. Die Einhaltung von DGE-Qualitätsstandards bei der Verpflegung muss in den Gemeinschaftseinrichtungen und Kliniken verpflichtend sein. DIE LINKE ist der Meinung, dass dringend das Fachwissen in den Einrichtungen, Krankenhäusern und Pflegediensten zu den besonderen Ernährungserfordernissen von sowie die Gefahr von Mangelernährung bei älteren Menschen verbessert werden muss.

Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?

DIE LINKE streitet für ein neues Verständnis von Pflege: Wir setzen uns für eine ganzheitliche Pflege ein, die allen Menschen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglicht. Denn Pflege bedeutet mehr, als „still, satt und sauber“. Menschen mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz – zum Beispiel bei Demenz – müssen angemessen in der Pflegeabsicherung berücksichtigt werden. Älteren Menschen mit Migrationshintergrund, die ihren Lebensabend in Deutschland verbringen, muss ein gleichberechtigter Zugang zu gesundheitlichen und pflegerischen Versorgungs-leistungen gewährleistet werden – ggf. in ihrer Muttersprache. Wichtig ist es dabei, die Seniorinnen und Senioren in die Planung und Umsetzung der Versorgung einzubeziehen.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Wir sehen im Bereich Mangelernährung weiteren Forschungsbedarf. Benötigt werden aktuelle Daten und eine Strategie, um gegen Mangelernährung insbesondere bei älteren Menschen vorzugehen. Dazu müssen Ursachen erforscht werden, wie es zu Mangelernährung kommen kann und welche Anzeichen es gibt.

 


Logo FDP

 

 

 

Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?

Wir Liberale wollen grundsätzlich die „Ernährungsbildung“ der Menschen vom Kindergartenalter an systematisch verbessern und so Kenntnisse und Bewusstsein dauerhaft schaffen und ausbauen. Die Ernährung älterer Menschen ist für uns zudem ein klassischen Handlungsfeld der gesundheitlichen Prävention, sie muss zudem mit den Anforderungen an die ambulante und stationäre Pflege verknüpft werden.

Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?

Wir wollen das auf Bundesebene vor allem durch die unten aufgeführte Ausrichtung der Forschung unterstützen, um die Schnittstellen und erforderlichen Qualifikationen besser zu identifizieren.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Wie schon aus den Antworten zu diesem Fragesegment ableitbar sehen wir Freie Demokraten dringenden Bedarf zur Identifikation der relevanten Schnittstellen und zu den Aufgaben in multiprofessionellen Teams. Die notwendige Vernetzung muss organisiert werden, dazu sind Kenntnisse des jeweils anderen Fachbereichs erforderlich und und ein Instrumentarium, dies sicherzustellen und weiterzuentwickeln.

 


 

 

 

Welche Rahmenbedingungen möchten Sie schaffen, damit die Versorgung älterer Menschen sich verbessert und auch mit Blick auf die Zukunft gewährleistet werden kann?
Wie möchten Sie Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass die Aufgabe einer bedürfnisorientierten und bedarfsgerechten Ernährung und Versorgung als Schnittstellenaufgabe in multiprofessionellen Teams erfüllt werden kann?

Ernährungsbedingte Krankheiten, Fehl- und Mangelernährung sind ein wachsendes Problem, letzteres vor allem bei älteren Menschen. Für die dringend notwendige Ernährungstherapie und –beratung im stationären wie auch im ambulanten Bereich sollten multiprofessionelle Teams mit den entsprechend ausgebildeten Fachleuten zusammengestellt und die notwendigen Mittel dafür bereitgestellt werden. Ziel muss es sein, auch bei Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen statt Trink- und Sondennahrung so lange wie möglich die Versorgung mit natürlichen Lebensmitteln zu sichern. In der jetzt endenden Wahlperiode war zum einen die mangelnde Zusammenarbeit zwischen CDU-geführten Gesundheitsministerium und dem CSU-geführten Ernährungsministerium ein großes Hindernis für eine umfassende und gute Ernährungspolitik. Zum anderen fanden die Interessen der Wirtschaft im Ernährungsministerium ein offeneres Ohr als die von Gesundheits- und Ernährungsexperten und von Verbrauchern. Das muss sich ändern.

Wo sehen Sie Forschungsbedarf?

Über den Forschungsbedarf in diesem Bereich wollen wir uns mit Ihnen und anderen Experten austauschen.

 

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