Lernen, systemisch zu arbeiten: Meine Weiterbildung zur systemisch-integrativen Ernährungstherapeutin

22. Juni 2017  |  Autor: (43 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Lehre & Lernen, Studium & Karriere
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Als Diplom Oecotrophologin, Leitungsteam-Mitglied in der örtlichen VDOE-Gruppe Mainz-Wiesbaden und selbstständige Ernährungsberaterin weiß Jutta Spiering-Wilfert, dass KollegInnen immer an Möglichkeiten, die berufliche Perspektive zu erweitern, interessiert sind. In den letzten zwei Jahren hat sie an einer therapeutischen Weiterbildung zur systemisch-integrativen Ernährungstherapeutin teilgenommen und mit einer Prüfung zur zertifizierten Systeb-Beraterin abgeschlossen. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen dazu. 

Die Ausbildung habe ich in Essen am Institut für systemorientiertes Gesundheitsmanagement (isogm) absolviert, das von unserer Kollegin Dipl. oecotroph. Heike Bornemann geleitet wird.

Warum habe ich mich für diese Weiterbildung entschieden?

Wichtig für mich war es, ein Angebot wahrzunehmen, das speziell auf den Beratungskompetenzen von Oecotrophologen und Diätassistenten aufbaut. Inhaltlich ging es um die Erweiterung der eigenen Kompetenz im Bereich der psychosozialen Beratung. „Klassische“ Ernährungsberatung führt nicht immer zu nachhaltigen Veränderungen des Ernährungsverhaltens bei Patienten und Kunden.

Systeb, also ein systemisch-integrativer Beratungsansatz, ist mehrperspektivisch. Ein ungünstiges Essverhalten wird hier als eine Lösung betrachtet mit individuellen Situationen im Klientensystem umzugehen. So ist es unabdingbar notwendig das System, zu dem der Kunde gehört, miteinzubeziehen. Ein Problem von heute in diesem System beruht auf einer Lösung von gestern.

Prozesse begleiten und eine neutrale Sichtweise einnehmen

Als Beraterin begleite ich den Veränderungsprozess und ermögliche es meinen Kunden, selbstbestimmt individuelle Ressourcen und Lösungen für das als problematisch empfundene Ernährungsverhalten zu finden. Ich selbst begleite diesen Prozess in einer absolut neutralen Haltung ohne Ratschläge im Sinne von „Wissen was richtig ist“ zu erteilen.

Systemisch-integrative Therapie und -beratung ist nicht das bloße Anwenden von „Techniken“. Wichtig ist die neutrale Sicht gegenüber dem Kunden und weiteren Systemmitgliedern. Wie man sich vorstellen kann, ist dies nicht innerhalb von kurzer Zeit zu erlernen. Zu vielschichtig ist das, was die neutrale Haltung, die sich auch in einer entsprechenden Wortwahl im Gespräch zeigt, ausmacht. Die therapeutische Ausbildung erstreckt sich daher über zwei Jahre mit insgesamt acht Modulen.

Systeb

Inhaltlich besteht die Ausbildung aus folgenden Themenfeldern:

  • Historische Grundlagen und Entwicklung systemischen Arbeitens
  • Einführung in erlebnis- und handlungsorientierte Beratungsformen, Schaffung einer Arbeitsgrundlage
  • Grundlagen systemisch-integrativen Arbeitens in Ernährungstherapie und -beratung, Erkennen von Systemen, Verhaltensmustern und Kommunikationsstrukturen
  • Grundhaltung und Ethik in der systemisch-integrativen Ernährungstherapie und -beratung, Reflexion eigener Anteile in der Beratungsbeziehung zum Kunden
  • Überweisungskontext, Auftragsklärung, Zielvereinbarung
  • Gestaltung und Dokumentation von systemisch-integrativen Beratungsprozessen
  • Systemisch-Integrative Interventionen I: Entwicklung ressourcenorientierter Handlungsperspektiven
  • Systemisch-integrative Interventionen II: Techniken und Methoden der Beratungspraxis und ihre Anwendung
  • Möglichkeiten der Systemvisualisierung, Einführung in die Genogrammarbeit
  • Krankheiten aus systemischer Perspektive, Schwerpunkte Essstörungen u. Depression

20-jähriges Jubiläum von isogm

Ein besonderes Highlight war für unseren Jahrgang die Zertifizierung zum systemisch-integrativen Ernährungstherapeuten und -berater im Rahmen der Feierlichkeiten zum 20-jährigen Jubiläum von isogm, an dem sogar der Oberbürgermeister der Stadt Essen, Thomas Kufen, teilnahm.

Die Absolventen von Systeb nach der erfolgreichen Weiterbildung

Die Absolventinnen von Systeb nach der erfolgreichen Weiterbildung mit Heike Bornemann, Institutsinhaberin (3. v.r.:). Foto: isogm

Mein Fazit

Für mich persönlich war die Ausbildung eine gute Investition, die meine Beratungshaltung positiv verändert hat. Zukünftig kann ich mir auch eine Zusammenarbeit mit systemisch arbeitenden Psychotherapeuten im Bereich Essstörungen vorstellen.

Ich kann die therapeutische Ausbildung für alle KollegInnen sehr empfehlen, die ihre Beratungskompetenz im psychosozialen Bereich erweitern wollen, um so nachhaltige Verhaltungsänderungsprozesse professionell bei Kunden moderieren zu können.


Die Autorin: Jutta Spiering-Wilfert

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