Bildung – ein vielseitiges Thema

12. März 2018  |  Autor: (77 Artikel)
Kategorie(n): Beruf & Praxis, Unterwegs & vor Ort
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„Oecotrophologie meets Bildung: vielfältig – offen – barrierefrei“ – das war das Thema des 4. Treffens des VDOE-Bildungsnetzwerks im November 2017 in der Rheinland-Pfälzischen Landeshauptstadt. Vielfalt spiegelte auch das Programm des Treffens wider, das die Organisatorinnen Eva Kracke, Dr. Christine Küster und Christine Kalthoff zusammengestellt haben.

Den Auftakt machte Lothar Schwalm vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) in Mainz. Er berichtete sehr anschaulich zum Thema „Inklusion in der Erwachsenenbildung“. Was bedeutet überhaupt Inklusion und wie lässt sie sich konkret umsetzen? Diesen und weiteren Fragen widmete er sich in seinem Vortrag und ließ die Teilnehmer den Begriff „Barrierefreiheit“ am eigenen Leib erfahren. In einer interaktiven Einheit mit Selbsterfahrungselementen konnten alle ausprobieren, wie es sich anfühlt und wie schwierig es ist, mit erheblicher Sehbehinderung, simuliert durch Spezialbrillen, schriftliche Informationen zu erlangen. Auch mit verbundenen Augen, ausgestattet mit einem Blindenstock ein Treppenhaus auf- und abzusteigen oder einer Unterhaltung mehrerer Personen zu folgen, wenn der Hörsinn (im Selbsterfahrungsfall durch dicke Kopfhörer) eingeschränkt ist, durften die Teilnehmerinnen erproben. Ebenso erläuterte Herr Schwalm, wie Barrieren im gemeinsamen Umgang abgebaut werden können. Ein offener Umgang miteinander, Hilfsbereitschaft und keine Ängste voreinander sind dabei eine wichtige Grundvoraussetzung.

Das Treffen des VDOE-Bildungsnetzwerkes bot den Teilnehmenden auch in diesem Jahr wieder ein spannendes Programm.

Kreativ kochen lernen

Wurde der Hörsinn bei der Selbsterfahrungseinheit extra stark getrübt, hieß es beim nächsten Programmpunkt „Ohren gespitzt“, denn mit „Kochen aufs Ohr – Audiorezepte im Unterricht“ stellte Ute Gomm vom Bundeszentrum für Ernährung ein Unterrichtsmaterial für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 sowie für berufsbildende Schulen vor. Das Material regt dazu an, digitale Audiorezepte im Unterricht zu erstellen und diese sinnvoll zu nutzen. Mit Audiobeispielen, Infos zu Arbeitshilfen und zur technischen Umsetzung veranschaulichte sie dieses praktische Unterrichtskonzept. Ebenso bot sie einen Einblick in ein ähnliches Unterrichtsmaterial, den Leitfaden „Selber drehen, mehr verstehen – Erklärvideos im Unterricht“. Auch diese Methode ermöglicht motiviertes und selbstgesteuertes Lernen an weiterführenden Schulen, Berufsschulen und Förderschulen.
Material für den Alphabetisierungsbereich stellte Dr. Mareike Daum, ebenfalls vom Bundeszentrum für Ernährung, vor. „Buchstäblich fit – Besser lesen und schreiben lernen mit den Themen Ernährung und Bewegung“ verknüpft die alltagsnahen Themen Essen, Trinken und Bewegen mit zahlreichen Übungen, die Lese- und Schreibanlässe in der Erwachsenenbildung bieten.

Funktionaler Analphabetismus: Erkennen – Ansprechen – Informieren

Nachmittags ging es mit dem Thema Alphabetisierung weiter. Dr. Heike Schiener, Netzwerkkoordinatorin im Projekt „GrubiNetz“ (Kompetenznetzwerk Grundbildung und Alphabetisierung in Rheinland-Pfalz) informierte und sensibilisierte in ihrem Vortrag zum Thema funktionaler Analphabetismus. Denn rund 7,5 Mio. Menschen in Deutschland können nicht ausreichend lesen und schreiben und gelten als sogenannte funktionale Analphabeten. Indem die Netzwerk-Teilnehmerinnen versuchten, einen Text in Sütterlinschrift zu lesen, konnten sie sich verdeutlichen, wie es sich anfühlt, wenn das Lesen und Schreiben Schwierigkeiten bereitet. GrubiNetz will für Menschen mit Grundbildungsbedarf den Weg zu Unterstützungs- und Lernangeboten erleichtern, indem es ein Netzwerk in Rheinland-Pfalz bietet, um für alle die Teilhabechancen am sozialen und ökonomischen Leben zu erhöhen.

Ein Beispiel der Sütterlinschrift – einer im Jahre 1911 von Ludwig Sütterlin entwickelte Ausgangsschrift für das Erlernen von Schreibschrift in der Schule.

Mit einer weiteren wichtigen Bildungszielgruppe beschäftigte sich Dr. Alexandra Brutzer von der Universität Gießen. Am Beispiel des Berufsfelds Ernährung und Hauswirtschaft zeigte sie auf, welche besonderen Bedarfe junge Geflüchtete bzw. Migrantinnen und Migranten haben und wie diesen in der beruflichen Bildung mit niederschwelligen Qualifizierungsansätzen begegnet werden kann. Zahlreiche Initiativen, berufsfeldspezifischen Maßnahmen und Projekte liegen bereits vor. Diese sind jedoch eher regional ausgerichtet, und die finanziellen Rahmenbedingungen sind unzureichend. Um einen nachhaltigen Beitrag zur Integrationsarbeit zu leisten, ist eine langfristige und verlässliche Förderung notwendig, so Frau Brutzer.

All diese verschiedenen Beiträge ermöglichten einen abwechslungsreichen Einblick in die Vielfalt der Bildungslandschaft in Deutschland. Reger Austausch und die Möglichkeit zur Vernetzung trugen ebenfalls zu einer angenehmen und produktiven Atmosphäre bei. Wir danken den Organisatorinnen für ein gelungenes und informatives Bildungs-Netzwerktreffen 2017.


Die Autorin: Dr. Mareike Daum

  • Diplom-Oecotrophologin
  • Promotion an der Universität Bonn
  • Referentin in der Maßnahme „Ernährungsbildung und Bewegungsförderung im Kontext von Alphabetisierung und Integration“ beim Bundeszentrum für Ernährung (BzfE)

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