Müsliriegel? Nein, das ist ein Flapjack! – Die ÖG Bonn zu Besuch bei Hafervoll

18. Mai 2018  |  Autor: (85 Artikel)
Kategorie(n): Unterwegs & vor Ort
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Donnerstagabend, 19 Uhr, in einem der mehrstöckigen Gebäude des TechnologiePark Köln. 13 Oecotrophologinnen sitzen gemeinsam mit Hafervoll Mitgründer Robert Kronekker, genannt Rob, im Gemeinschaftsraum des Startups. Wer nun eine Standard-Unternehmenspräsentation erwartet hat, merkt schnell: Das ist heute Abend anders. Denn so viel vielfältig wie die Gruppe aus selbstständigen Ernährungsberaterinnen, Texterinnen mit Food-Affinität, Qualitätsmanagerinnen und Studentinnen ist, so spannend entwickelt sich auch das Gespräch mit einem der „Oatbosse“.

Aber worum geht es hier eigentlich? In der Mitte des Tisches liegen Müsliriegel – oder besser gesagt Flapjacks, wie  Rob die Gruppe aufklärt. Denn genau diese sind das Herzstück von Hafervoll. Die Besonderheit des ursprünglich aus England stammenden Flapjacks im Vergleich zu einem gewöhnlichen Müsliriegel? Der Müsliteig wird nicht maschinell gepresst, sondern in Handarbeit auf Backblechen ausgerollt und anschließend im Ofen gebacken.

Exkursion der ÖG Bonn zu Hafervoll

Auch außerhalb der Weihnachtszeit begeisterte die limitierte Edition im Lebkuchenstyle mit Zimt, Ingwer und Nelken die Oecotrophologinnen.

„We make Müsliriegel great again“

Schon immer war Rob, selbst studierter Ernährungswissenschaftler, verärgert von den Unmengen ungesunder Snacks in Supermärkten und Tankstellen. Aber es braucht dann doch eine unerwartete berufliche Entwicklung und eine gehörige Portion Mut, bis der Entschluss feststeht, den Flapjack gemeinsam mit „Phil“ Philip Kahnis (Mitgründer und u.a. verantwortlich für den Vertrieb) nach Deutschland zu bringen. Es folgen unzählige Rezepturexperimente in der heimischen Küche, nervenaufreibende Businessplanwettbewerbe, zwei gekündigte Jobs, eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne und tatsächlich: Heute, viereinhalb Jahre später, belegt Hafervoll bereits Platz 3 unter den Müsliriegel-Marken und ist in nahezu allen großen Supermarktketten und Drogerien gelistet. Ob ganz klassisch als Mandel-Rosine, in der veganen Variante Cranberry-Kakao oder inklusive Superfood als Chia-Dattel-Pistazie – bei dieser Produktvielfalt findet jeder seinen Favoriten. Dazu gibt’s in der Weihnachtszeit ein Lebkuchen-Special und auch der aktuelle Protein-Trend wird in Form von Riegeln mit der extra Portion Eiweiß aufgegriffen.

16 Mitarbeiter zählt das Startup mittlerweile, die von Produktentwicklung bis zum Vertrieb für nahezu alle Bereiche zuständig sind. Ausgelagert ist alleine die Logistik. „Das lag uns einfach nicht“, so Rob. Ja, auch Fehlentscheidungen und Rückschläge gehören eben in der Gründungsphase dazu. Und trotzdem: Die Firma mit einer Menge Fremdkapital hochziehen und dann aussteigen – das ist nicht der Stil der Müsli-Jungs. Der Gruppe wird klar: In diesem Unternehmen steckt wirklich eine Menge Herzblut!

Hafervoll - Flapjackmix

Klassisch, vegan oder mit der extra Portion Protein? Hier findet jeder seine Lieblingssorte!

Natürliche Sattmacher ohne chemische Zusatzstoffe

Aber woraus besteht so ein Flapjack überhaupt? Ein Blick auf die Zutatenliste der Variante Kakao-Haselnuss verrät: Haferflocken, Honig, Sonnenblumenöl, Haselnüsse, Kakaobohnenstücke und Kakaopulver – keine Süßungsmittel, Stabilisatoren oder Aromastoffe. Die Ernährungsexpertinnen sind angetan. Gründer Rob erklärt: „Wir wollten ein Produkt entwickeln, das keine endlos lange Zutatenliste besitzt.“ Und dazu hat er sogar ein Auge auf das Fettsäuremuster. Die nächste Frage kommt prompt: Warum kein Bio? Mit bio sei das so eine Sache, so Rob. Tatsächlich bestünden bis zu 40% der Riegel aus biologisch angebauten Zutaten, aber um „bio“ als Claim verwenden zu können, müsste der Bezug ökologischer Rohstoffe jederzeit gewährleistet sein. Und das sei aufgrund der starken Angebots- und Preisschwankungen eine noch eine ganz andere Herausforderung.

Mit aktuell 1,99 € im Supermarkt sind die Hafervoll Flapjacks sicherlich nicht billig, aber Zutaten und Geschmack überzeugen die Oecotrophologinnen. Einigen von ihnen waren die bunten Riegel bereits bekannt, sie empfehlen ihn aufgrund ihrer Energiedichte (ca. 350 kcal/Riegel) gerne zunehmwilligen PatientInnen oder haben auf langen  Wandertouren immer einen Riegel im Gepäck. Aber auch der Rest der Gruppe ist an diesem Abend auf den Geschmack gekommen…

Autorin: Kira Schwarz


Die örtlichen Gruppen (ÖG) des VDOE:

Bundesweit gibt es über sechzig ÖGs, eine in der Schweiz. Sieben Gruppen sind Angebote für Studenten (Bonn, Fulda, Gießen, Kiel, Potsdam, Hohenheim und Freising). Sie alle sind Verbands-Plattformen, um sich als Oecotrophologen, Haushalts-, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftler regional zu vernetzen und berufliche und fachliche Erfahrungen auszutauschen. Bei den ehrenamtlich organisierten Treffen gibt es ein breites Angebot Exkursionen, Fachvortäge, Diskussionsforen u.n.v.m. Wir freuen uns auf neue Gesichter – auch Nicht-Mitglieder sind zum Schnuppern herzlich eingeladen.