Berufsportrait: Prof. Dr. Michael Greiner

23. Januar 2019  |  Autor: (90 Artikel)
Kategorie(n): VDOE-Nachricht

Quelle: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Im April 2018 haben sich die Dekane der Hochschulen im Rahmen der Dekanekonferenz in der VDOE-Geschäftsstelle in Bonn getroffen. Ein Thema wurde von jedem Dekan angesprochen: Die Nachwuchssuche für Professuren im Bereich der Oecotrophologie. Leider fiel das Fazit in dieser Angelegenheit sehr schlecht aus. Das haben wir zum Anlass genommen, den Werdegang sowie das Berufsbild von Prof. Dr. Michael Greiner von der  Hochschule Weihenstephan-Triesdorf vorzustellen und diese interessante berufliche Perspektive für Oecotrophologen zu präsentieren.

„Mit großem familiären Hintergrund aus den Bereichen Lebensmittel und Verpflegung begann ich mein Studium der Ökotrophologie an der TU München Weihenstephan. Damals wie heute gab es viele Frauen und wenig Männer (ganze zwei von 98 Studierenden damals). Zwar waren wir in Weihenstephan verschrien als die akademischen Hausfrauen, aber insgesamt war das Studium das Richtige für mich, auch wenn es den ein oder anderen Zweifel an der breiten Aufstellung und der damit verbundenen nicht genügenden Tiefe der Oecotrophologie gab.

Nach meiner Promotion war ich erstmal arbeitslos. Der Grund? In vielen Fällen Überqualifikation. Das hat sich heute glücklicherweise geändert, viele Hochschulen suchen promovierte Bewerber für oecotrophologische Professuren – oft sogar vergeblich! Damals zweifelte ich allerdings ein wenig an Studium und Promotion.

Danach ging es als Freiberufler zum Institut für Ökotrophologie, und daneben gab es noch Jobs, die mal mehr, mal weniger die Ökotrophologie betrafen. Ich arbeitete unter anderem als Fotograph für ein Sportmagazin; war Inhaber einer Tennisschule mit Ernährungsberatung für Sportler und schrieb als Ernährungsexperte für ein Sportmagazin Testberichte. Letzteres hat mir allerdings mein wissenschaftlicher Anspruch verbaut:… den Hauptsponsor unserer Zeitschrift mit wissenschaftlich fundierten Aussagen zu verprellen, kam nicht so gut an.

Ab 1998 gab es dann eine Festanstellung bei der Rational AG, ein Hersteller für Groß- und Industrieküchengeräten. Dort kam dann die Erkenntnis: die Industrie braucht nicht nur Spezialisten, sondern auch breit aufgestellte Allrounder, die die Schnittstellen zwischen dem Hersteller und dem Kunden kennen. Zitat des Firmengründers: „Blech biegen und Geräte bauen können alle, aber wir (damit meinte er wohl die neue Anwendungsforschung) kennen die Bedürfnisse des Marktes und können kundenorientierte Lösungen entwickeln“.

Als promovierter Absolvent von der Uni hat man tatsächlich nur wenig Ahnung vom Markt, aber meine Aufgabe war mir sofort klar, und die Möglichkeiten, dieses Defizit zu kompensieren, ermöglichte es mir, in aller Herren Länder zu reisen, dortige Koch- Verzehrs- und Verpflegungsgewohnheiten kennen zu lernen und dies dann auch noch in die Entwicklung der neuen Geräte zu implementieren. Nichts ist schöner, als in vielen Großküchen das miterfundene und mitentwickelte Produkt zu entdecken. Von vielen Patenten im Bereich „Bedienkonzeption“ und „Regelung von Kochprozessen“ profitiere ich noch heute.

Man könnte schon sagen, dass das bei der Rational AG so etwas wie ein Traumjob für mich war, trotz der vielen Überstunden und wenig Zeit für die Familie, bis ich mit der Stellenanzeige für meine jetzige Professur konfrontiert wurde. „Wir wollen Dich wirklich nicht loswerden, aber die Stelle ist 1:1 wie für Dich gemacht“, so meine Mitarbeiter, die mir die Stellenanzeige der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf auf den Tisch gelegt hatten. Dann das Grübeln: „Hab ich da überhaupt eine Chance? Bin ich dafür ausreichend qualifiziert?“; sogar auch: „kann ich mir das mit Familie überhaupt leisten?“

Letztendlich hat es geklappt. Ich weiß zwar, dass meine „Konkurrenten“ in vielen Bereichen spezialisierter gewesen wären, aber genau für dieses Lehrgebiet wollte man eine/n ÖkotrophologenIn, der/die etwas von der Branche, von den Bedürfnissen der Zielgruppe, von der Technik in Küchen wie auch vom Lebensmittel und den gesundheitlichen Aspekten und hygienischen Vorgaben bei der Verpflegung weiß – also Ökotrophologie pur!

Mittlerweile bin ich seit 9 Jahren am Campus Triesdorf und habe den Schritt noch nicht bereut. Neben der Haushaltstechnik und Großküchentechnik habe ich meine Expertise in Richtung Verpflegungsmanagement ausgedehnt. Das Team ist zwar kleiner (nicht mehr 15 Mitarbeiter, sondern nur noch eine Mitarbeiterin!), aber die Aufgaben sind nicht weniger vielfältig. Das Geld ist zwar weniger, die Überstunden aber auch. Größter Unterschied: es gibt zwar Pflichtaufgaben (Vorlesungen, Praktika), aber daneben ist der Spielraum unbegrenzt, weil er von mir selbst bestimmt wird. Dass das auch eine Gefahr darstellt, wissen die meisten Kollegen und Kolleginnen. Wo engagiert man sich, wieviel Arbeit ist damit verbunden, warum sind es immer dieselben, die mitmachen – und warum ist man selbst fast immer mit dabei? Ein richtiges Luxusproblem!

Die schönste Motivation für mich sind die Komplimente von Studierenden für Aktionen, die man eigentlich ja nicht hätte machen müssen – und doch viel Erfahrung und Wissen für den „Nachwuchs“ bringen. Absolventen, die mittlerweile bei Firmen untergekommen sind und mit denen man nun neue Netzwerke knüpfen kann, bestätigen: Engagement wird langfristig belohnt.“