Psychopharmaka in der Ernährungstherapie

Vom 21. bis 23. Juni 2018 findet in Kassel die Tagung „Ernährung 2018 – Ernährung ist Therapie und Prävention“ statt. In unserer VDOE-Blogserie verraten wir Ihnen vorab ein paar Inhalte ausgewählter Vorträge. Das erleichtert Ihnen die Entscheidung zwischen der Vielzahl an Themen. Heute lesen Sie mehr über die Wechselwirkungen von Psychopharmaka und Ernährungstherapie von Prof. Dr. Martin Smollich.

Psychopharmaka gehören zu den am häufigsten eingenommen Arzneistoffen in Deutschland. Ihre Anwendungsgebiete umfassen u.a. Depressionen sowie Angst-, Schlaf- und psychotische Störungen. Psychopharmaka besitzen ein sehr breites Spektrum an unerwünschten Wirkungen („Nebenwirkungen“), wodurch die Therapieadhärenz nicht selten reduziert bzw. eine Arzneimitteltherapie sogar unmöglich gemacht wird. Prof. Dr. Martin Smollich, Professor für Klinische Pharmakologie und Pharmakonutrition an der Praxishochschule Rheine, der auf in Kassel im Rahmen der Session „Interaktion zwischen Nährstoffen und Pharmaka“ referiert, berichtet:

Ernährungstherapie kann Erfolg der Arzneimitteltherapie verbessern.

Da gerade bei der Anwendung von Antidepressiva die pharmakotherapeutischen Effektstärken oft begrenzt sind, sollte in der Nutzen-Risiko-Abwägung der Arzneimitteltherapie die Verträglichkeit, d.h. die Art und Ausprägung der Nebenwirkungen, besonders berücksichtigt werden. Die ernährungstherapeutische Antizipation oder Begleitung entsprechender Nebenwirkungen kann die Therapieadhärenz verbessern, und damit nicht nur die Nebenwirkungen abmildern, sondern auch den Erfolg der Arzneimitteltherapie insgesamt verbessern.

Eine Ernährungstherapie kann den Erfolg einer Arzneimitteltherapie verbessern.

Eine Ernährungstherapie kann den Erfolg einer Arzneimitteltherapie verbessern.

Themenschwerpunkte

  • Metabolische Effekte von Psychopharmaka sind sehr häufig; dies gilt insbesondere für appetitsteigernde Wirkungen und die Zunahme von Körpergewicht.
  • Besonders stark mit einer Gewichtszunahme assoziiert sind Antipsychotika (Neuroleptika) und einige Antidepressiva (Mirtazapin, Lithium, Trizyklika).
  • Resultierende metabolische Veränderungen sind pathophysiologisch relevant, da sie sich negativ auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität der Patienten auswirken können.
  • Insbesondere bei Patienten unter Therapie mit Antipsychotika sollte auf die regelmäßige Durchführung metabolischer Monitoring-Untersuchungen geachtet werden.
  • Wirkstoffspezifische metabolische Nebenwirkungen (v. a. Gewichtszunahme) können antizipiert und durch geeignete Ernährungsinterventionen abgemildert oder verhindert werden. Alternativ sollte ärztlicherseits auch ein Wirkstoffwechsel erwogen werden, falls die Nebenwirkungen die Lebensqualität des Patienten relevant beeinträchtigen. Zusätzlich kann die Gewichtskontrolle auch durch Gabe von Orlistat bzw. Metformin (off-label) verbessert werden.

Die detaillierten Ausführungen von Prof. Dr. Martin Smollich zu diesen Themenschwerpunkten mit dem entsprechenden tabellarischen Teil stellen wir Ihnen als Download zur Verfügung. Ebenso die ausführlichen Literaturnachweise.


Der Autor: Prof. Dr. Martin Smollich

Prof. Dr. Martin Smollich ist auch Referent auf der Ernährung 2018 im Rahmen der Session

Prof. Dr. Martin Smollich ist auch Referent auf der Ernährung 2018

  • Fachapotheker für Klinische Pharmazie
  • Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)
  • 1998 bis 2004 Studium von Biologie und Pharmazie, 2005 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Universitätsklinikum Münster, 2009 bis 2013 klinische Tätigkeit und pharmakologischer Konsildienst in einem akademischen Lehrkrankenhaus.
  • Seit 2013 Professor für Klinische Pharmakologie und Pharmakonutrition; Leiter des Studiengangs Clinical Nutrition an der praxisHochschule Köln.
  • Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die Verbindung von Ernährungs- und Arzneimitteltherapie, insbesondere in den Bereichen Arzneimittel-Lebensmittel-Interaktionen, Pharmakonutrition und Nutraceuticals. Daneben betreibt er den Blog www.ernaehrungsmedizin.blog.

Kommentar(e) zu “Psychopharmaka in der Ernährungstherapie

  1. Was für eine Handreichung! Eine excellente Unterstützung für die Ernährungstherapie. Vielen herzlichen Dank.
    Ich bin gespannt auf die zukünfitigen blogs.
    Dr. Petra Renner-Weber
    Praxis für Ernärhungstherapie

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