Wie gelingt die integrative ernährungstherapeutische Versorgung?

Vom 21. bis 23. Juni 2018 findet in Kassel die Tagung „Ernährung 2018 – Ernährung ist Therapie und Prävention“ statt. In unserer VDOE-Blogserie verraten wir Ihnen vorab ein paar Inhalte ausgewählter Vorträge. Das erleichtert Ihnen die Entscheidung zwischen der Vielzahl an Themen. Heute lesen Sie mehr über eine integrative ernährungstherapeutische Versorgung. 

Spannende Impulse verspricht die Session „Entwicklung eines integrativen ernährungstherapeutischen Versorgungskonzeptes – das Lübecker Modell.“ Unter Leitung von Professor Christian Sina erfahren die Teilnehmer der Tagung, wie eine bessere Vernetzung zwischen stationärem und ambulantem Bereich gelingen kann und welche Rolle Ernährungstherapeuten dabei spielen.

Obwohl sich die Fachleute einig sind, wie stark die wechselseitigen Beziehungen zwischen der Ernährung und vielen Erkrankungen sind, ist die Ernährungstherapie innerhalb der Gesundheitsberufe nach wie vor unterrepräsentiert und meist wenig sichtbar. Gründe hierfür sind neben der chronischen Unterfinanzierung des Gesundheitssystems fehlende Strukturen und potente Netzwerke. Die wären jedoch für eine flächendeckende ernährungstherapeutische Versorgung von Nöten und setzen zudem eine multiprofessionelle Kommunikation zwischen allen Beteiligten voraus: Vom ärztlichen Dienst im Krankenhaus über die Pflege und den Hausarzt bis hin zur Ernährungsfachkraft.

Vernetzung und Kommunikation zwischen stationär und ambulant

„Genau hier möchten wir ansetzen, anstatt vor knappen Ressourcen und problematischen Rahmenbedingungen zu kapitulieren“, sagt Professor Dr. Christian Sina, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. „Wenn es uns gelingt, ambulante und stationäre Therapie besser zu vernetzen, können wir eine integrative Versorgung unserer Patienten viel besser erreichen.“ Das gilt für beide Richtungen: So sollte der niedergelassene Arzt genau wissen, was im stationären Bereich für den Patienten entwickelt und geplant wurde. Genauso sollte er die Erfahrungen aus seiner Praxis in die Klinik zurückspiegeln.

Zertifizierte Weiterbildungsangebote und Oecotrophologen in der Lehre

Weitere Kernpunkte des Modells sind die multiprofessionelle Erarbeitung von regionalen Standards und die Schaffung von berufsbegleitenden Angeboten und Zertifizierungsmöglichkeiten. „Außerdem streben wir eine bessere Einbindung von Oecotrophologen in der Lehre an.“ Dazu gehört ein direkter Austausch zwischen den Ernährungswissenschaftlern bzw. Ernährungstherapeuten vor Ort und den Studierenden. Und dazu gehören auch Strukturen, die den Studierenden Praktika im ernährungsmedizinischen Bereich ermöglichen.

„Meine Kollegen und ich entwickeln diese Ideen aus der tiefsten Überzeugung heraus, dass das bisher Gelebte nicht ausreicht, um der Ernährung den Stellenwert in der Therapie unserer Patienten zu geben, der ihr zusteht“, so Professor Sina. „Wir als Uni sehen uns als Teil eines interdisziplinären Netzwerks. Wir möchten gerne einen Beitrag beim Aufbau von Strukturen leisten, die im Kontext einer alternden Gesellschaft und der steigenden Prävalenz von Mangelernährung zukünftig immer wichtiger werden“.

Die Session „Entwicklung eines integrativen ernährungstherapeutischen Versorgungskonzeptes – das Lübecker Modell“ findet am 22. Juni 2018 von 14 bis 15.30 Uhr im Kolonnadensaal 6 unter dem Vorsitz von Prof. Sina statt. Die einzelnen Vortragsthemen lauten:

  • Die Herausforderung ist die integrative Versorgung – Zusammenspiel aller Player ist gefordert.
  • Fachspezifische Prävalenz von Mangelernährung – eine Standortbestimmung.
  • Integrative Versorgung – Herausforderung für die ambulante Ernährungstherapie
  • Zertifizierte Ringvorlesung Ernährungsmedizin für Studierende und Berufstätige.

Wer aus erster Hand mehr über dieses und viele weitere Themen erfahren möchte, kann sich hier zur Dreiländertagung „Ernährung 2018“ in Kassel anmelden. Noch bis zum 16.04.2018 gibt es attraktive Rabatte für Frühbucher.


Prof. Dr. med. Christian Sina ist auch Referent auf der Ernährung 2018

Prof. Dr. med. Christian Sina ist auch Referent auf der Ernährung 2018

Der Referent: Prof. Dr. med. Christian Sina

  • Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, seit 2016 zusätzlich Teilgebietsanerkennung Ernährungsmedizin (DGEM)
  • 2016 Gründer des Instituts für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Lübeck
  • Gleichzeitig ärztlicher Leiter der Sektion für Ernährungsmedizin an der Medizinischen Klinik 1 des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
  • Außerdem Leiter des Studiengangs Medizinische Ernährungswissenschaft an der Universität zu Lübeck sowie Tätigkeit im wissenschaftlichen Beirat der Fachzeitschrift „Aktuelle Ernährungsmedizin“

 

Autorin: Gabriela Freitag-Ziegler

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